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Fürstenwalde: Skelett in Jauchegrube entdeckt: Diese Frau stellt die Polizei vor ein Rätsel

Eine junge Frau wird offenbar erschlagen und in eine Jauchegrube geworfen. Erst Jahrzehnte später wird ihr fast vollständiges Skelett gefunden. Die Mordkommission ermittelt. Und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Skelett in Jauchegrube entdeckt: Diese Frau stellt die Polizei vor ein Rätsel

Diese Phantombilder des unbekannten Opfers entstanden nach einer sogenannten Weichteilrekonstruktion des gefundenen Schädels

August 2011. In der Uferstraße in Fürstenwalde soll gebaut werden. Es handelt sich um Erdarbeiten im Garten eines Grundstückbesitzers. Zunächst. Mittlerweile ermittelt die Mordkommission. Denn die Bauarbeiten fördern auch ein Jahrzehnte zurückliegendes Verbrechen zutage.

In einem zwei bis drei Meter tiefen Schacht, dem Überlauf für eine alte Jauchegrube, wird ein fast vollständiges menschliches Skelett entdeckt. "Die Grube war zugeschüttet, aber der Schacht stand noch voll Gülle", sagt Maik Zimmermann von der Mordkommission in Frankfurt zur "Lausitzer Rundschau". Die Knochen seien stark verwest und durch die jahrzehntelange Lagerung in Mitleidenschaft gezogen worden, führt er im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) aus.

Die Knochen wurden rechtsmedizinisch untersucht. Nun liegt das Ergebnis der Analyse vor – und ein Profil des Opfers:

  • Die Knochen stammen von einer Frau.
  • Sie war etwa 1,60 Meter groß.
  • Sie hatte vermutlich dunkles Haar.
  • Zum Zeitpunkt des Todes war sie etwa 20 Jahre alt.

Auch ein DNA-Bild konnten die Ermittler erstellen. Sogar eine sogenannte Weichteilrekonstruktion wurde angefertigt, erklärt Zimmermann dem RBB: Mit Hilfe der Schädelknochen und anhand von Durchschnittswerten – etwa "die Dicke der Haut und damit auch die Form der Haut" – erstellten die Ermittler ein Bild von dem Gesicht des Opfers. Ein Bild, von dem sich die Ermittler auch wertvolle Hinweise versprechen.

Polizei: "Diese Frau wurde nicht als vermisst gemeldet"

Denn sicher ist auch, dass die Frau in der Jauchegrube versenkt wurde – zu DDR-Zeiten, zwischen 1965 und 1975, schlussfolgern die Ermittler nach Analyse von Textilfasern. Das Verbrechen liegt also mehr als 40 Jahre zurück. Warum die Frau aufgrund "stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf zu Tode gekommen" sein könnte, so der Verdacht nach weiteren Untersuchungen, wissen die Ermittler hingegen nicht. Auch die Identität der Toten ist nicht geklärt. Wo ansetzen?

Die Ermittler prüfen zahlreiche Vermisstenfälle, auch aus DDR-Zeiten. Zimmermann: "Wir haben zirka 90 Fälle dann am Ende mit einem direkten DNA-Nachweis verglichen. Leider war unsere unbekannte Tote noch nicht dabei." Eine Sprecherin der Polizeidirektion Ost bestätigt dem stern: "Alle vermissten Personen, auch aus DDR-Zeiten, sind bereits überprüft. Diese Frau wurde nicht als vermisst gemeldet."

Die Theorie der Ermittler: Die junge DDR-Bürgerin wollte sich womöglich nach Westdeutschland absetzen, Verwandte und Bekannte könnten deswegen nichts gemeldet haben. 

Ein weiterer Anhaltspunkt für die Ermittler ist die Jauchegrube. "Ohne Weiteres weiß man nicht um die Umstände dieser Grube dort", so Zimmermann zum RBB. Hintergrund: In der Uferstraße in Fürstenwalde konnten bei der sogenannten Annahmestelle für Sekundärrohstoffe (Sero) etwa Gläser, Flaschen und Altpapier abgegeben werden – von der Jauchegrube auf dem Gelände hätten allerdings nur wenige Menschen gewusst. "Das heißt: Wir gehen davon aus, dass der nach wie vor unbekannte Täter eine gewisse Ortskenntnis zu dieser Sero-Annahmestelle gehabt haben muss."

Hat der Täter hier gearbeitet?

Das glaubt auch Peter Richter, der die Sero-Annahmestelle von 1964/65 bis 1975 geleitet und den Ermittlern das Gelände 2011 gezeigt habe. "Der Schacht gehörte zu einer Toilettenanlage, zwei Toiletten für Damen und zwei für Herren gab es dort", so der 75-Jährige zur "Lausitzer Zeitung". Etwa vier mal sechs Meter sei das Gelände groß gewesen. Die Grube, die sich darunter befunden habe und in etwa genau so groß sei, sei daher äußert selten voll gewesen. "In der ganzen Zeit, in der ich dort war, ist sie vielleicht ein Mal geleert worden", erinnert sich Richter. 

Etwa 25 Menschen hätten in der SERO-Stelle unter seiner Leitung gearbeitet, schätzt er. Darunter Kraftfahrer, Beifahrer und Frauen, die Altstoffe sortierten. "Außerdem konnte auf das Gelände jeder rauf, von der Spreeseite kamen oft Russen mit ihren Booten rüber", so Richter zur "Lausitzer Zeitung". Ob der Täter auch auf der Sero-Stelle gearbeitet hat, ist ebenfalls Teil der Ermittlungen.

Ermittler bitten um Mithilfe

Nach wie vor sind viele Fragen offen. Daher machen die Ermittler den Fall nun öffentlich und bitten die Bevölkerung um Mithilfe. Bisher sei ein Hinweis bei der Polizei eingegangen, so eine Sprecherin auf Nachfrage des stern.

Die Mordkommission der Polizeidirektion Ost fragt: Wer kann sich an eine junge Frau erinnern, die in den 1960-er Jahren aus ihrem Lebensumfeld plötzlich verschwand? Sie könnte der Frau auf den Phantombildern ähnlich sehen.

Skelett in Jauchegrube entdeckt: Diese Frau stellt die Polizei vor ein Rätsel

Diese Phantombilder des unbekannten Opfers entstanden nach einer sogenannten Weichteilrekonstruktion des gefundenen Schädels

Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Oder-Spree in Fürstenwalde unter der Telefonnummer 03361/5680 entgegen.

Quellen: RBB, "Lausitzer Rundschau", Polizeidirektion Ost 

fs