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stern-Interview

Ludwigshafener "Terrorkind": Wie geht es dem Jungen heute, der 2016 eine Bombe auf einem Weihnachtsmarkt deponierte?

Dass ein Zwölfjähriger eine selbst gebastelte Bombe auf einem Weihnachtsmarkt deponiert, schockierte vor einem Jahr das Land. Nun hat sich das Ludwigshafener "Terrorkind" positiv entwickelt - dank guter Betreuung.

Von Ingrid Eißele

Sein Fall sprengt das deutsche Rechtssystem: Vom Umgang mit einem "Terrorkind"

Der Junge, der im November vergangenen Jahres eine selbst gebastelte Bombe auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt deponierte, hat sich nach Einschätzung des zuständigen Jugendamts inzwischen verändert. "Damals vermied er jeden Blickkontakt, gab nicht die Hand, schaute auf den Boden. Er war ein verstocktes Kind, das weder auf mich noch auf meine Kollegen reagierte", sagt Jürgen May, Leiter des Jugendamts Ludwigshafen, dem stern. "Nun berichten mir die Kollegen, dass er viel offener geworden ist, dass er gern kocht, dass er auf sein Aussehen achtet wie jeder Teenager und schlanker werden will." Die Ludwigshafener Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg sagt: "Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass er wieder Kind sein kann."

Der deutsch-irakische Junge ist vor einem Jahr als erstes "Terrorkind" Deutschlands bekannt geworden. Da er im November 2016 erst zwölf Jahre alt war, konnte er nicht in Jugendarrest genommen werden. Die Behörden fanden erst nach langer Suche eine geschlossene Einrichtung, die ihn aufnahm. Dort, so May zum stern, wird er seit März 2017 von vier Sozialpädagogen und zwei Psychologen im Schichtdienst betreut, hinzu komme ein Lehrer für den Einzelunterricht. Das Haus werde wegen des Jungen rund um die Uhr von einem Security-Dienst bewacht. Cornelia Reifenberg sagt dem stern, sie könne noch nicht beziffern, was das alles koste. Es sei "sehr teuer", allerdings auch notwendig, da nicht auszuschließen sei, "dass von dem Jungen eine Gefahr ausgeht – für andere, aber auch für sich selbst."

"Terrorkinder" müssen betreut werden

Jugenddezernentin Reifenberg fordert im Gespräch mit dem stern eine spezielle Einrichtung für Kinder unter Terrorverdacht. "Wir brauchen pro Bundesland mindestens zwei Plätze für solche Kinder, die beispielsweise an eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine Jugendhilfeeinrichtung angegliedert werden." Bund und Länder müssten Lösungen erarbeiten. "Momentan ist das Land nicht bereit, einen einzigen Euro zu investieren, auch nicht in diesem Fall."


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