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UKE Hamburg: Psychiatriepatient stirbt sechs Tage nach Zwangsmaßnahmen durch Krankenhaus

Wenige Tage nach einem fragwürdigen Einsatz von Sicherheitsleuten ist ein Psychatriepatient des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gestorben. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge.

UKE Hamburg - Psychiatriepatient stirbt sechs Tage nach Zwangsmaßnahmen durch Krankenhaus

Hautpgebäude und Haupteingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

DPA

In Hamburg ist ein 34-jähriger Patient der psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) wenige Tage nach einem umstrittenen Einsatz von Sicherheitsleuten gestorben. Entsprechende Medienberichte wurden dem stern von der Polizei Hamburg bestätigt. Das UKE bestätigte in einer Pressemitteilung, dass der Patient auf der Intensivstation der Klinik verstorben sei. Die genaue Todesursache des Mannes sei noch unbekannt, so ein Polizeisprecher zum stern. Der Leichnam soll obduziert werden. Das Landeskriminalamt ermittle wegen Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge.

Am Ostersonntag war es auf dem Gelände des UKE zu einem Einsatz des hauseigenen Sicherheitsdienstes gekommen. Der 34-Jährige hatte daraufhin das Bewusstsein verloren und musste reanimiert werden. Die genauen Umstände des Einsatzes sind noch unklar. 

Bericht: Augenzeugen beobachteten brutales Vorgehen der Sicherheitsleute an Hamburger Krankenhaus

Laut "taz", die sich auf Augenzeugenberichte beruft, habe der Mann im offenen Bereich der psychiatrischen Abteilung gesessen und eine Zigarette rauchen wollen. Eine Mitarbeiterin des UKE und drei Sicherheitsleute hätten den Mann aufgefordert, ein Beruhigungsmittel zu nehmen. Als sich der Patient geweigert habe, hätten zwei Mitarbeiter der Firma "Klinik Logistik & Engineering" (KLE) den Patienten am Boden festgehalten. "Ein anderer ist immer wieder mit dem Knie aus einem halben Meter Höhe in den Rücken und die Nieren rein", zitiert die "taz" einen Augenzeugen.

Das UKE schilderte in einer Pressemitteilung, dass sich der Patient "der Anordnung der Unterbringung widersetzt" habe und "von dem zwischenzeitlich hinzugerufenen Sicherheitsdienst des UKE fixiert werden" musste, "als er aus bisher ungeklärten Umständen zusätzliche medizinische Hilfe benötigte". Das begleitende ärztliche und pflegerische Personal habe umgehend die medizinische Versorgung vor Ort eingeleitet und weitere Hilfe angefordert. Weitergehende Aussagen könne man aufgrund des Patientendatenschutzes sowie der laufenden Ermittlungen derzeit nicht machen, hieß es weiter.

Laut Polizei habe sich der Patient auf freiwilliger Basis zur Behandlung in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses befunden. Weil sich sein Zustand im Verlauf der Behandlung offenbar erheblich verschlechtert habe, habe die diensthabende Ärztin einen vorläufiger Unterbringungsbeschluss beantragt. Noch vor dem Vorliegen des entsprechenden Beschlusses habe der "psychisch auffällige Mann" allerdings das Gebäude verlassen. Im weiteren Verlauf hätten die hinzugezogenen Sicherheitsleute Kontakt zu dem Patienten aufgenommen, hieß es in der Pressemitteilung von Mittwoch. 

Quellen: "taz", Polizei Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, "Der Spiegel", NDR

fs