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Streit vor dem Verschwinden?: Zeugin will Rebecca am Tag des Verschwindens gesehen haben – das sagen die Ermittler

Hatte die vermisste Rebecca aus Berlin am Tag ihres Verschwindens einen Streit? Eine Zeugenaussage soll dies nahelegen. Die Staatsanwaltschaft äußert sich im stern zu diesen und anderen neuen Hinweisen.

15-Jährige auf Schulweg verschwunden: Wo ist Rebecca Reusch? Polizei bittet um Hinweise

Sie musste Ostern ohne ihr jüngste Tochter und Schwester feiern. Die Familie der seit gut zwei Monaten vermissten Schülerin Rebecca verbrachte die Feiertage gemeinsam und versuchte, zusammen mit der quälenden Ungewissheit fertig zu werden. "Die, die noch da sind, mit denen werden wir etwas machen. Das Leben geht weiter", sagte der Vater der Vermissten dem Fernsehsender RTL vor Ostern.

Der Zusammenhalt gibt den Angehörigen Kraft – und Zuversicht, dass sie Ostern im kommenden Jahr wieder mit ihrer "Becci" feiern können. Und es gibt noch etwas, dass Rebeccas Eltern und Geschwistern immer wieder neue Hoffnung macht: Hinweise, die offenbar an die Familie herangetragen werden. Es sind Hinweise, die dem widersprechen, wovon die Polizei ausgeht. Seit Wochen schon glauben die Ermittler der Mordkommission zu wissen, dass die 15-Jährige nicht mehr am Leben ist; allein: Der Beweis fehlt.

Ist Rebecca in Polen? Hatte sie einen Streit?

Rebeccas Familie glaubt nicht daran. Sie ist der Meinung, die 15-Jährige lebe und sei vielleicht entführt worden – oder einfach ausgerissen. "Becci, komm' nach Hause, alles ist zu regeln. Alles kein Problem", so der Vater des Mädchens zuletzt in einem Aufruf, den RTL ausstrahlte.

Dem Sender berichtete die Familie über die beiden Hinweise, die ihre Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang des Falls nähren: Ein unbekannter Anrufer soll mitgeteilt haben, dass er Rebecca Anfang April in Polen in Begleitung eines Mannes gesehen habe (der stern berichtete hier). Inzwischen haben auch Medien im Nachbarland den Fall aufgegriffen und starteten Suchaufrufe.

Und die Eltern klammern sich an eine weitere Aussage: Ein zehnjähriges Mädchen soll einer Bekannten von einer Beobachtung vor Rebeccas Schule berichtet haben: "Das Mädel hat gegen 16 Uhr am 18. Februar – also an dem Tag, an dem Rebecca verschwunden ist – miterlebt, dass ein großes Mädchen Streit hatte mit mehreren Jungs", schildert der Vater Rebeccas im RTL-Interview. Die Jugendliche sei "hübsch und groß" gewesen, ergänzt die Mutter – genau wie Rebecca. Sie habe "fürchterlich geweint" und "konnte sich wohl losreißen und ist dann weggerannt". Bei dem Streit soll es auch um einen möglichen Schulwechsel gegangen sein. "Das ist genau das, was wir schon länger mit Rebecca besprochen haben, dass sie das Abitur lieber woanders machen möchte", so ihr Vater. Persönlich habe die Familie der Vermissten nicht mit der zehnjährigen Zeugin sprechen können. Die Mutter des Kindes wolle das nicht.

Beide Hinweise seien den Ermittlern bekannt, erklärte Mona Lorenz, die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft im Gespräch mit dem stern. Jedoch seien diese "nur zwei von "Hunderten, denen die Mordkommission intensiv nachgeht". Dabei gelte: "Alle Hinweise werden ernst genommen. Die Beamten der Dritten Mordkommission ermitteln weiter ausschließlich am Fall Rebecca."

"Interviews nicht immer hilfreich"

Warum die Familie der Vermissten ausgerechnet diese beiden Hinweise in den Medien thematisiert hat, sei unklar. Die öffentlichen Auftritte könnten sogar die Ermittlungen verzögern oder stören. "Die Äußerungen der Familie in Interviews sind nicht immer hilfreich", so Lorenz. "Die Arbeit der Mordkommission wird dadurch nicht einfacher." Die Sprecherin bat um Verständnis dafür, dass nicht alle Ermittlungsschritte mit der Öffentlichkeit und der Familie geteilt werden könnten. Dennoch gehe im Hintergrund die Arbeit der Beamten auch zwei Monate nach dem Verschwinden Rebeccas "mit gleichbleibend hoher Intensität" weiter.

Am grundsätzlichen Sachstand habe sich derweil nichts geändert, sagte Lorenz dem stern weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen demnach aufgrund mehrerer Indizien (lesen hier im stern mehr dazu) davon aus, dass Rebecca getötet wurde. Unter Tatverdacht stehe nach wie vor der Schwager des Mädchens, der zwischenzeitlich sogar in Untersuchungshaft saß und wieder freigelassen wurde, weil kein dringender Tatverdacht mehr bestanden hat. Die Angehörigen Rebeccas beteuerten immer wieder, dass sie an die Unschuld des 27-Jährigen glauben – schließlich gehen sie davon aus, dass Rebecca lebt.

Die Familie leidet unter der Ungewissheit. Die jüngere der beiden Schwestern Rebeccas schilderte am Dienstagmorgen im Sat.1-Frühstücksfernsehen ihre Qualen. Halt gebe ihr der familiäre Zusammenhalt. "Wir geben uns gegenseitig Kraft, sehen uns sehr oft", so die 21-Jährige. "Mein größter Wunsch ist, dass wir Rebecca finden, wohlbehalten. Dass wir sie bald in unsere Arme schließen können – am liebsten schon heute."

Hier geht's zum Fahndungsaufruf der Berliner Polizei.


Die Chronik des Falls Rebecca im Video:

15-Jährige auf Schulweg verschwunden: Wo ist Rebecca Reusch? Polizei bittet um Hinweise

Quellen: Polizei Berlin, RTL, Sat.1"Bild"-Zeitung, "Fakt"