Sudan Geiselnehmer angeblich getötet


Ein Schusswechsel und möglicherweise eine neue Verschleppung: Das Schicksal der entführten europäischen Touristen und ihrer Führer in der Sahara ist weiter unklar. Während eines Gefechts soll der Anführer der Kidnapper angeblich ums Leben gekommen sein.

Am Sonntagnachmittag ist es zwischen den Entführern der 19-köpfigen Gruppe und dem sudanesischen Militär an der Grenze zwischen dem Sudan und dem Tschad zu einem Schusswechsel gekommen. Dies sagte ein Sprecher der sudanesischen Streitkräfte, Mohamed El Shawarmi, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Unter den Entführten sind fünf Deutsche, fünf Italiener, ein Rumäne und acht Begleiter aus Ägypten. Sie sollen während des Gefechts weiter verschleppt worden sein.

Angeblich sechs getötete Entführer

Während des Feuergefechts hätten plötzlich 35 bewaffnete Männer in Autos die Grenze vom Tschad aus überquert und die Geiseln mitgenommen, hieß es von Seiten des sudanesischen Militärs. Über die Zahl möglicher Opfer unter den Entführern gab es zunächst widersprüchliche Angaben. Nach Angaben der Ansa soll der Anführer der Kidnapper ums Leben gekommen sein. Die ägyptische Nachrichtenagentur MENA berichtete von sechs getöteten Entführern.

Wenige Stunden vor dem Zusammenstoß zwischen den Entführern und den sudanesischen Soldaten hatte die unabhängige ägyptische Zeitung "Al-Masri Al-Youm" noch behauptet, die Freilassung stehe unmittelbar bevor. Wie örtliche Medien berichteten, befand sich die Gruppe am Sonntag auf dem Weg vom Sudan zur ägyptischen Grenze. Nach Angaben eines sudanesischen Regierungssprechers hatten Sicherheitskräfte den Aufenthaltsort der Gruppe geortet.

Zum Schusswechsel im Sudan sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntagabend in Berlin: "Wir können diese Meldung nicht bestätigen." Man gehe allen Hinweisen nach, der Krisenstab arbeite weiterhin intensiv an einer Lösung. Ägyptischen Berichten zufolge fordern die Entführer sechs Millionen Euro.

Die Touristengruppe war am Freitag vor einer Woche im Südwesten Ägyptens überfallen und zunächst in den Sudan verschleppt worden. Anschließend sollen die Kidnapper mit ihren Geiseln sudanesischen Angaben zufolge die Grenze nach Libyen überquert haben. Diese Berichte wies Libyens Regierung am Samstag zurück.

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sprachen sich die Regierungen von Ägypten und Italien bei der Bundesregierung für die Zahlung des Lösegelds aus. Die Behörden in Kairo fürchteten einen Schaden für den Tourismus, würde bei einer Befreiungsaktion von Eliteeinheiten einer der Touristen ums Leben kommen. Unklar sei, wer für die geforderte Summe aufkommen müsse. Die ägyptische Regierung gehe offenbar davon aus, dass die Bundesregierung einen großen Anteil übernehme, heißt es in dem Bericht weiter.

Wie die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" am Freitag berichtete, sollen insgesamt 20 Entführer die 19 Geiseln in Schach gehalten haben. Ein ägyptischer Regierungsbeamter sagte der Zeitung: "Wir haben Sorge, dass es das Ziel der Entführer ist, den Tschad zu erreichen." Einer der Täter stamme möglicherweise aus dem afrikanischen Land. Zur Identität der Entführer, von denen mindestens einer Englisch sprechen soll, liegen bislang keine gesicherten Angaben vor.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker