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Women's March on Washington: Frauen, hört die Signale!

Der "Women's March on Washington" versammelt Frauen in Washington D.C. und in anderen Städten von London bis Berlin unter einem Banner. Ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der für Frauen vieles auf der Kippe steht. Heute wollen sie zeigen, dass sie eine Kraft sind, mit der die Mächtigen zu rechnen haben.

Women's March in Washington

Women's March in Washington und vielen anderen Städten weltweit: Frauen protestieren für ihre Rechte. Gut so, findet Sylvia Steinitz.

Im Internet kursiert das Foto einer alten Dame, die bei einer Frauendemo ein Schild hochhält: "I can't believe I still have to protest this shit", frei übersetzt: "Ich kann nicht glauben, dass ich gegen diese Scheiße immer noch demonstrieren muss". Das Bild ist viele Jahre alt, und doch bleibt es stets aktuell. Denn gleich, wieviel für die Sache der Frauen bereits erstritten wurde - wir sehen uns immer zurückgeworfen auf Zustände, die wir längst überwunden glaubten. Auch im Jahr 2017.

Polen war erst der Anfang: In den kommenden Jahren werden mit Millionen ausgestattete, konservative Lobbys das Thema Abtreibung auf die Prioritätenliste der europäischen Politik setzen. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen amerikanischen Präsidenten wird die Streichung von Programmen für von Gewalt betroffene Frauen sein. In Russland soll häusliche Gewalt künftig nicht mehr so schwer bestraft werden, weil es sich dabei um eine "russische Tradition" handelt. Die deutsche Politikerin Frauke Petry wirft der Bundeskanzlerin vor, keiner weitsichtigen Politik fähig zu sein, weil sie keine Kinder hat - nicht etwa, weil sie das selber glaubt, sondern weil sie weiß, dass solche Sprüche da draußen bei den Wutbürgern ankommen.

In den kommenden Jahren werden in Europa weitere Millionen von Frauen in die Altersarmut abrutschen. Politiker werden sich diesen Umstand zunutze machen und gegen Scheidung, Alleinerziehende und sexuelle Selbstbestimmung mobil machen.

Women's March in Washington: "Frauenrechte sind Menschenrechte"

Dies sind nur einige Beispiele für das, was uns erwartet. Wir werden Kämpfe auszufechten haben, die wir längst gewonnen glaubten. Die Verblüffung über das absurde Polittheater, das uns droht, wird uns zeitweise lähmen - weil wir nicht glauben wollen, dass wir uns mit dieser "Scheiße" tatsächlich noch oder schon wieder auseinandersetzen müssen. Wir bereiten uns besser jetzt schon auf diesen Effekt vor. Und: Wir müssen die Reihen schließen. Unsere Botschaft muss einfach und unmittelbar einleuchtend sein. So mancher inhaltlicher oder akademischer Diskurs muss hintangestellt werden, um "die Festung zu halten".

Es geht um nichts anderes als um unsere Freiheit, nicht nur die der Frauen: Eine Gesellschaft, in der Frauen frei sind, billigt diese Freiheit jedem zu. Frauenrechte sind Menschenrechte. Wer das eine bewahrt, erhält das andere. Dies ist das eigentliche Signal, das die Frauen des "Women's March on " heute aussenden. Hören wir genau hin.

Zum Shitstorm? Durch die Tür hinaus, zur linken Reihe, jeder nur einen Post.



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