VG-Wort Pixel

USA Feuer frei: San Francisco gibt grünes Licht für Killerroboter

Ein Polizist demonstriert einen ferngesteuerten Roboter zur Bombenentschärfung
Ein Polizist demonstriert in Rheinland-Pfalz einen ferngesteuerten Roboter zur Bombenentschärfung. In San Francisco sollen die Maschinen in Extremfällen aber auch Leben nehmen dürfen, um Leben zu retten
© Andreas Arnold / Picture Alliance
Es klingt dystopisch, gehört in den USA aber womöglich bald zu Realität. In San Francisco soll die Polizei im Ausnahmefall tödliche Roboter einsetzen dürfen.

Was nach einem Prequel zum Science-Fiction-Klassiker "I, Robot" mit Will Smith klingt, könnte in San Francisco bald Realität werden. Medienberichten zufolge entschied das städtische Aufsichtsgremium nach einer hitzigen Diskussion am Dienstag, dass die Polizei potenziell tödliche Roboter einsetzen darf. Es gehe dabei jedoch nicht darum, Schusswaffen auf intelligente Maschinen zu montieren, sondern Roboter in Extremfällen mit Sprengsätzen auszustatten (der stern berichtete). 

In Zukunft, so die Polizei von San Francisco, seien die Roboter mithilfe von Sprengsätzen dazu geeignet, in "befestigte Strukturen einzudringen, in denen sich gewalttätige, bewaffnete oder gefährliche Personen aufhalten". Außerdem könnten sie eingesetzt werden, um bewaffnete oder gefährliche Verdächtige "außer Gefecht zu setzen oder zu desorientieren". Die potenziellen Killermaschinen dürften allerdings nur im absoluten Notfall eingesetzt werden, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft seien. Außerdem müsse mindestens einer von drei hochrangigen Beamten einen solchen Einsatz genehmigen. Befürworter begrüßten dies laut "Washington Post" angesichts immer häufiger auftretender Amokläufe als notwendigen Schritt zur Stärkung der Polizeikräfte. 

Angst vor Militarisierung der Polizei

Kritiker fürchten hingegen seit Längerem eine zunehmende Militarisierung der Polizei. "Dies ist eine örtliche Polizeieinheit, die uns beschützen soll. Das ist nicht das US-Militär, das wir bewaffnen", zitiert der "San Francisco Chronicle" ein Ausschussmitglied. Die Entscheidung solle es echten Polizisten zudem einfacher machen, sich vom Akt des Tötens zu distanzieren, argumentiert Catherine Connolly von der Gruppe "Stop Killer Robots" gegenüber der britischen BBC.

Auch das Büro der Pflichtverteidiger von San Francisco bezeichnete die Richtlinie in einem Schreiben an den Stadtrat als "entmenschlichend und militaristisch". Die Stadt habe womöglich einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, sagt Albert Fox Cahn, Geschäftsführer des Surveillance Technology Oversight Project, der "Washington Post." Cahn fürchtet, das Gesetz könnte zur Entwicklung einer neuen Generation waffenfähiger Killerroboter dienen. Vor dem Inkrafttreten muss die neue Richtlinie allerdings zunächst eine zweite Abstimmungsrunde passieren und am Ende vom Bürgermeister genehmigt werden. 

Militärtechnologie aus China: Drohne setzt bewaffneten Roboter-Hund ab

Attentat in Dallas löste landesweite Debatte aus

Angestoßen wurde die Debatte ursprünglich vor sechs Jahren in Dallas. Im Sommer 2016 hatte sich ein Scharfschütze stundenlang verschanzt und auf Polizisten geschossen – fünf Beamte starben. Erst ein mit C-4-Sprengstoff ausgerüsteter Roboter mit ausfahrbarem Arm hatte den Attentäter schließlich töten können.

Bereits nach dem Amoklauf im texanischen Uvalde hatte die Polizeiausrüstungsfirma Axon mit Tasern bestückte Drohnen produzieren wollen – das Vorhaben sei jedoch am Ende im Sande verlaufen, nachdem neun Mitglieder des Ethikrats des Unternehmens aus Protest zurückgetreten waren.

Quellen: BBC; "Washington Post"; "San Francisco Chronicle"

Mehr zum Thema

Newsticker