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Tuğçes Vater über den Tod seiner Tochter: "Ein Tag, nach dem kein Morgen mehr kommt"

Er verbrachte ihren letzten Tag am Bett seiner Tochter - und musste sie an ihrem 23. Geburtstag sterben lassen. Nun spricht Tuğçes Vater erstmals öffentlich über seine Trauer.

Der Tag, an dem die Geräte abgeschaltet wurden: Tuğçes Eltern und ihr Bruder zeigten sich am Fenster des Klinikums in Offenbach.

Der Tag, an dem die Geräte abgeschaltet wurden: Tuğçes Eltern und ihr Bruder zeigten sich am Fenster des Klinikums in Offenbach.

Für die Familie sind es die wohl schlimmsten Tage ihres Lebens. Am Freitagabend, auf den Tag genau 23 Jahre nachdem Tuğçe zur Welt gekommen war, stellten die Ärzte mit Zustimmung ihrer Eltern die lebenserhaltenden Maschinen ab. Nun hat sich erstmals der Vater der Toten geäußert. "Der erste Tag ohne Tuğçe ist wie ein Tag, nach dem kein Morgen mehr kommt", sagte er der "Bild am Sonntag". Aber das Leben gehe weiter. Nur das Wie, das sei eine andere Frage. "Tuğçe wird uns allen fehlen. Wir werden ihr warmes Lächeln schmerzhaft vermissen."

Die Trauerfeier für Tuğçe soll in der kommenden Woche in einer Moschee im hessischen Wächtersbach stattfinden, die Bestattung in Tuğçes Geburtsort in Bad Soden-Salmünster.

Tausende haben sich verabschiedet

Tuğçe starb, weil sie anderen helfen wollte. Und selbst nach ihrem Tod wird sie mit ihren Organen noch mehr Menschen helfen. Laut "Bild" wurden ihr unter anderem das Herz, die Nieren und die Leber für Transplantationen entnommen.

Die Studentin war vor zwei Wochen ins Koma gefallen. In einer McDonald's-Filiale hatte sie zwei in Bedrängnis geratenen Mädchen helfen wollen. Einer der Angreifer, der 18-jährige Sanel M., wartete daraufhin auf dem Parkplatz auf sie und schlug so hart zu, dass sie auf dem Boden aufschlug und nicht mehr erwachte. Vor ihrem Tod hatten sich Tausende Menschen mit einer Mahnwache vor der Klinik in Offenbach verabschiedet. Die Eltern hatten den ganzen Tag mit ihrer Tochter verbracht und sich den Trauernden auch am Fenster gezeigt.

Gauck: "Tuğçe wird immer ein Vorbild bleiben"

Bundespräsident Joachim Gauck sprach der Familie sein Mitleid aus: "Ich bin wie ungezählte Bürgerinnen und Bürger entsetzt und erschüttert über diese schreckliche Tat. Tuğçe hat unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient. Sie wird immer ein Vorbild bleiben. Unser ganzes Land trauert mit Ihnen."

Weiter sagte der Bundespräsident in dem Beileidschreiben: "Wo andere Menschen wegschauten, hat Tuğçe in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen."

Gauck will nun prüfen lassen, ob Tuğçe posthum das Bundesverdienstkreuz verliehen werden kann. Auf der Internetplattform "change.org" war eine entsprechende Online-Petition ins Leben gerufen worden, die bis zum späten Samstagabend rund 120.000 Menschen unterstützen. Der Bundespräsident werde den Wunsch prüfen, Tuğçe A. mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zu würdigen, schrieb Gauck an "change.org".

car