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Video Klimawandel stellt Winzer vor neue Herausforderungen

STORY: „Muscaris“ heißt eine dieser Sorten, die nachhaltiges Wirtschaften im Weinberg ermöglichen sollen. Winzer Martin Koch aus Rheinhessen ist Pionier auf dem Gebiet der Züchtung klimatoleranter Rebsorten. Sein „Muscaris“ hat natürliche Abwehrkräfte gegen gefürchtete Pilzkrankheiten wie Falscher oder Echter Mehltau. Der Weinexperte ist überzeugt: diesen neuen Sorten - auch "Piwi" für pilzwiderstandsfähige Sorten genannt - gehört die Zukunft: “Ja, klimafreundliche Rebsorten halten wir für wichtig, weil ich glaube, das ist eine mögliche Antwort auf den Klimawandel, denn das sind Rebsorten, die haben eine natürliche Abwehrkraft gegen die wichtigsten Reb-Krankheiten, die ja im 19. Jahrhundert eingeschleppt wurden. Und diese Rebsorten, diese neuen Rebsorten müssen dadurch viel weniger gespritzt werden. Das heißt, wir schonen das Ökosystem, das Bodenlebewesen wird geschont, man hat viel weniger Traktorfahrten. Der CO2-Fußabdruck ist geringer und sie trotzen auch diesen Wetterextremen sehr gut.” In Rheinhessen brennt die Sonne vom Himmel, der Boden ist staubtrocken. Ideale Bedingungen für die Zukunftsweine von Koch, die bis zu 90 Prozent weniger gespritzt werden müssen. Mittlerweile wachsen „Piwis“ auf einem Drittel seines 16,5 Hektar großen Weinguts. Aber die neuen Sorten müssen sich auch am Markt etablieren: „Wir sind einfach von der Qualität, von dem Geschmack, von der Sensorik überzeugt und eben von der Tatsache, dass man ja so auf natürliche Weise die Rebe sich selber schützt. Der einzige Nachteil, den diese Sorten haben, ist: sie sind noch nicht bekannt.” Die Zahl der Anhänger wächst. Geschmack, nachhaltiger Anbau UND weniger Pflanzenschutzmittel – die Zukunftstrauben sind mittlerweile kein Geheimtipp mehr unter Liebhabern. Das bestätigt auch Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut: “Wir haben jetzt eine neue Generation von pilzwiderstandsfähigen Sorten, die auch geschmacklich und in ihrer Resistenz sehr gut ankommen, bei den Winzern wie bei den Verbrauchern. Dementsprechend ist jetzt auch die Nachfrage bei den Winzern nach Pflanzgut sehr groß, also es wird viel angepflanzt. Und die Konsumenten nehmen die Weine gerne an.” Weinbau ist eine Dauerkultur - deswegen müssen sich Weinliebhaber noch etwas gedulden, bis größere Mengen der neuen Sorten in den Supermarktregalen angeboten werden können. Laut Weinexperten stehen Reben bis zu 30 Jahre im Weinberg, pro Jahr werden in Deutschland gerade einmal 3000 Hektar neu angepflanzt. Dennoch: Aufzuhalten sind die nachhaltigen Weine jetzt wohl nicht mehr.
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Schädlinge und Trockenheit sind ein großes Problem für edle Tropfen. Ein Winzer aus Rheinhessen züchtet Rebsorten, die über natürliche Abwehrkräfte gegen Pilzkrankheiten verfügen und gleichzeitig dem Klimawandel trotzen.

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