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Drogerie-Mitarbeiter packen aus So mies werden Billiglöhner bei Rossmann behandelt

Diese Produkte stehen für ein Versprechen. Straffe Haut. Schöne Haare. Kein Körpergeruch. Sie alle sollen das Leben der Kunden besser machen. Der Mann, der diese Produkte verkauft, steht auch für ein Versprechen: Dirk Rossmann, Chef der gleichnamigen Drogeriemärkte. Er will nicht nur das Leben seiner Kunden, sondern auch das seiner Mitarbeiter besser machen. Wie gut es seinen Angestellten geht, sagt er bei Lanz, bei Jauch. Und wenn es sein muss, auch mal eine Nummer kleiner beim Sender der Universität Lüneburg.
DIRK ROSSMANN: "Aber ich glaube schon, dass ein Mitarbeiter, der in meinem Unternehmen gerne arbeitet, wenn der abends nach Hause kommt, wenn er gerne arbeitet und ich glaube, ich habe viele Menschen, die bei mir im Betrieb gerne arbeiten, der wird eben nicht durch schlechte Laune, oder sein Kind schlagen, weil er tagsüber frustriert wurde oder gemobbt wurde. Wir legen bei uns in der Firma, Schwerpunkt ist also ein gutes Betriebsklima und natürlich alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Menschen sich wirklich wohl fühlen am Arbeitsplatz."
Gute Arbeitsbedingungen gibt es bei Rossmann offenbar vor allem für die hauseigenen Mitarbeiter: im Durchschnitt 14 Euro Stundenlohn, regelmäßig Einkaufsgutscheine für die eigenen Märkte. Doch Dirk Rossmann führt in Wirklichkeit ein unternehmerisches Doppelleben: In vielen seiner Märkte herrscht eine Zweiklassengesellschaft. Wer, wie diese Teamleiterin, die nicht erkannt werden möchte, bei Rossmann für den Nachschub an Ware sorgt, ist oft nicht bei Rossmann angestellt. Angestellte der Firmengruppe ISS – von Impuls One und Tempus - füllen viele der Regale auf. Ohne die Privilegien der Rossmannarbeiter. Da ist zum einen der Lohn der Einräumer: Bis vor gut einem Jahr der Mindestlohn eingeführt wurde, zahlte ISS teilweise deutlich unter dieser Grenze.

MITARBEITERIN: "6,50 Euro. Da bin ich mit angefangen. Dann gab’s eine Lohnerhöhung von 13 Cent. Da waren wir bei 6,63 Euro. Und dann der Mindestlohn, mit 8.50 Euro und die Teamleitung bekommt dann 9,50."

Dirk Rossmann zählt zu den 600 reichsten Menschen der Welt und präsentiert sich gerne als der gute Chef, der seinen Mitarbeiter viele Freiheiten zukommen lässt. Viele Einräumer in seinen Filialen bekommen davon nichts mit. Denn neben dem Lohn werden ISS-Arbeiter oft auf Abruf gebucht: Mal sollen sie zehn, mal dreißig Stunden in der Woche arbeiten. Wann und wo sie arbeiten sollen, erfahren sie manchmal nur kurzfristig, etwa per Whatsapp. Gibt es nichts zu tun, gibt es kein Geld.

MITARBEITERIN: "Zwischen 300 und 800. Ja 850. In guten Monaten."

Die Firma sagt, das sei normal. Nur wer freiwillig mitmache, werde kurzfristig zu Einsätzen gerufen. Dass Rossmann die Einräumarbeit auslagert, ist nicht verboten. Dirk Rossmann ist auch da sehr unternehmerisch: Ihm gehören 49 Prozent der Leiharbeitsfirma. Rossmann zieht sich in der Öffentlichkeit die weiße Weste an, spart aber im Verborgenen an seinen ausgelagerten Einräumkräften. Und Dirk Rossmann zieht sogar noch Profite aus 49 Prozent Anteilen an der Leiharbeitsfirma ISS. Und dabei geht es nicht nur um ein paar Auhilfen, Es sind Tausende Leute von Impuls One und Tempus, die in jeder zweiten Rossmann-Filiale arbeiten. Allein im Jahr 2012 zahlte Rossmann für sie 33,7 Millionen Euro. Weil Rossmann einen Dritten nutzte, wurde seine Verbindung zu ISS lange nicht bekannt. Werkverträge und Tarifverträge mit einer christlichen Kleingewerkschaft helfen ebenfalls, gängige Standards zu unterlaufen. Dabei stehen die Leiharbeiter unter enormem Druck: Der stern hat mit Impuls One und Tempus Mitarbeitern in der ganzen Bundesrepublik geredet und viele Akten ausgewertet. So wurde das System Rossmann sichtbar. Wie viel Ware pro Zeit eingeräumt werden muss, gibt ein Prozentesystem vor. Der Druck wird von oben nach unten durchgereicht. Werden Prozente beim Einräumen nicht erreicht, verlieren Gebietsleiter Prämien. An einer entsprechend kurzen Leine lassen sie ihre Billigarbeiter.

MITARBEITERIN: "Wenn der Laden aber geschlossen ist, verräumt wird, müssen 100 Prozent erbracht werden. Je höher, desto besser natürlich, aber dann verlangt Impuls auch, dass das Level gehalten wird. Wenn man 110-120 Prozent hat, dass es gehalten wird."

Wer nicht schnell genug arbeitet, bekommt Ärger. Ein System, das offenbar auch dazu führt, dass Mitarbeiter länger arbeiten. Unbezahlt.

MITARBEITERIN: "Gut, dann schreiben wir diese Viertelstunde nicht mit auf, dass wir auf unsere Prozente kommen. Und dass die Mitarbeiter da unzufrieden werden, weil wenn man das über das Jahr mal hochrechnet. geht einem da ordentlich was verloren. Und man hat ja ohnehin nicht so viel Geld da."

Dirk Roßmann und seine Einräumfirma weisen die Vorwürfe zurück. Die meisten Regaleinräumer seien zufrieden. Ihre Löhne würden vollständig bezahlt. Wenn es Probleme gebe, dann nur in Einzelfällen. Rossmann versichert sogar, er spare keine Kosten durch den Einsatz der Einräumer. Doch in Wahrheit geht es den echten Rossmann-Mitarbeitern offensichtlich besser als den Werkarbeitern, die die Regale füllen.

MITARBEITERIN: "Die haben es ein bisschen besser. Die haben mehr Urlaub. Urlaubsgeld, ich glaube ein 13. Monatsgehalt bekommen die. Einen höheren Stundenlohn. Kriegen viermal im Jahr ihr Rossmann-Paket, wo dann die Eigenmarke mit drinne ist. Kriegen ihren Personalrabatt. Kriegen ja auch so mal was zwischendurch. Wir von Impuls bekommen nicht mal ein frohes Weihnachten."

49 Prozent Anteil an den Firmen, die die Einräumer in den eigenen Filialen antreiben. Löhne, die ein eigenständiges Auskommen oft nicht sichern. Dennoch verteidigt sich Dirk Rossmann. Er passe auf, dass die Arbeiter des Subunternehmens anständig behandelt werden. Die volle Verantwortung dafür könne er aber nicht übernehmen. Er habe ja nicht die volle Mehrheit an der Firma. 
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Dirk Rossmann gilt mit seinen Drogeriemärkten als Vorzeige-Arbeitgeber. Doch Mitarbeiter, die dort viele der Regale einräumen, erzählen von Auslagerung, Leiharbeitsfirmen, Druck und schlechter Bezahlung.

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