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Prozessauftakt in Hamburg: "Milliarden-Mike" kann es nicht lassen und haut Männer mit Inkasso-Masche übers Ohr

Eigentlich wollte er schon längst die Finger von krummen Dingern gelassen haben, doch "Milliarden-Mike" wurde rückfällig. Nun sitzt er in vor dem Richter, weil er und sein Komplize zwei Männer um rund 400.000 Euro betrogen haben soll – mit hanebüchenen Geschichten. Ein Ortstermin im Hamburger Landgericht.

Milliarden Mike Wappler

"Milliarden Mike" (2.v.r.) bei der Beerdigung des Hamburger Kiez-Urgesteins Heinrich Hübner alias "Inkasso-Henry"

DPA

Auch nach einem halben Jahr Untersuchungshaft ist "Milliarden-Mike" nicht vom Fleisch gefallen. "Sieht wohlgenährt aus", sagt jemand von den Zuschauerrängen zufrieden. Links vom Publikum sitzt der Angeklagte, die Hände vor den Bauch gefaltet, sein Gesicht strahlt Gelassenheit aus. Er hat ja Routine als Angeklagter. Nicht zum ersten Mal sitzt Peter-Mike Wappler vor Gericht – obwohl er eigentlich schon geläutert schien. Doch der notorische Großbetrüger kann und will es offenbar nicht lassen: Diesmal wird ihm vorgeworfen, rund 400.000 Euro ergaunert zu haben. Der bald 65-Jährige streitet es nicht ab.

"Milliarden-MIke" macht in Inkasso

Wappler, als "Milliarden-Mike" bekannt geworden, ist ein Meister der Manipulation. Ganz früher war er mal Zuhälter, dann hat er Villen an der Hamburger Alster verkauft, obwohl sie ihm nicht gehörten. Jetzt soll er zusammen mit seinen Kumpanen F. "einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt haben", wie es die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung am Hamburger Landgericht sperrig formuliert. Vereinfacht gesagt: Wappler und F. haben zwei Männern aus Nordrhein-Westfalen gegen eine entsprechende Entlohnung angeboten, Geld für sie einzutreiben – was sie allerdings nie getan haben.

Es ist beinahe so etwas wie Wapplers Markenzeichen, seine "Kunden" mit haarsträubenden und komplizierten Geschichten übers Ohr zu hauen. Der eine Fall des Opfers aus der Nähe von Lippstadt endete im vorletzten Sommer damit, dass eine erfundene Botin das Geld (fast zwei Millionen Euro) nicht habe übergeben können, weil sie wegen Mordes im Gefängnis gelandet sei. Im Fall des anderen Opfers scheiterte die "Geldübergabe" am Unfall des angeblichen Boten, der nun leider im Koma läge. Aber gegen eine Zahlung von 15.000 Euro könne man doch noch an die 1,6 Millionen kommen, soll der Angeklagte versprochen haben. Dass Wappler und sein Helfershelfer so lange mit solchem hanebüchenen Unsinn durchgekommen sind, ist erstaunlich genug. Aber vielleicht kann (und will) niemand glauben, dass sich jemand so einen Unfug ausdenken würde, geschweige denn merken kann.

Eigentlich wollte Wappler aufhören

Eigentlich hatte "Milliarden-Mike" seinem Leben als Gentleman-Gauner schon abgeschworen. Er konnte gut davon leben. Sehr gut sogar. Viele Hunderte Millionen Euro soll er Zeit seines Lebens erschwindelt haben. Am liebsten ließ er sich mit Geldbündeln und Prominenten ablichten, in Hamburg war er oft zu sehen, wie er mit seinem weißen Porsche am noblen Jungfernstieg herumcruiste. In einer TV-Dokumentation sagte er einmal, er sei mittlerweile gereift und würde nun sein Geld damit verdienen, andere Menschen vor Leuten wie ihm zu warnen. In derselben Sendung sagt ein Bekannter über ihn, Wapplers eigentliche Fähigkeit bestehe darin, den Leuten das glauben zu machen, was sie glauben wollen.

Wie viele Jahre er diesmal wird absitzen müssen, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft würde ihn gerne für bis zu vier Jahre neun Monate hinter Gitter sehen, seine Anwälte maximal für drei Jahre und neun Monate. Wappler selbst ist geständig. Wohl auch, weil er weiß, dass Reue gut bei Richtern ankommt. "Die Vorwürfe gebe ich zu. Es ist, wie es ist und ich übernehme die Verantwortung", heißt es in seiner Erklärung, die seine Anwältin verliest. Das Urteil soll kurz vor Weihnachten fallen.