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Deutscher Tourist in Peru Sein Ziel war Machu Picchu – dann kam Corona. Nun sitzt Philipp mit elf anderen in einem Hostelzimmer fest

Hostel Peru
Passable Laune trotz 12er-Zimmer: Philipp C. (r.) im Hostel
© Privat / stern
Wer als Tourist gerade in Peru ist, hat doppelt Pech. Denn im Land gelten rigide Coronaschutz-Maßnahmen, aber raus geht es auch nicht für jeden. Der Deutsche Philipp C. erzählt, wie er zusammengepfercht in Cusco lebt.

Cusco ist einer dieser Sehnsuchtsorte vieler Rucksacktouristen: hoch oben auf 3500 Meter in den Anden gelegen, früher die Hauptstadt des Inka-Reiches, jetzt Weltkulturerbe. Von hier geht es in knapp fünf Stunden nach Machu Picchu, die sagenhafte Terrassenstadt in den Wolken. Dorthin wollte auch Philipp C., 29 aus Hamburg.

Anfang Februar war er in Peru angekommen, es sollte die letzte Station seiner Weltreise sein. Das war sie auch, und ist sie immer noch – zusammen mit Hunderten weiteren deutschen Touristen hängt er in dem Andenstaat fest. Rückkehr offen.

16 Tage im Hostel zusammengepfercht

"Die Situation hier ist sehr angespannt", sagt C. dem stern. Seit 16 Tagen schon sind er und die anderen Besucher wegen des Coronavirus eingesperrt, verlassen darf die Unterkunft niemand. 65 Leute aus der ganzen Welt leben dort gerade zusammengepfercht, viele Holländer, ein paar Argentinier und eben die Deutschen – in Schlafsälen mit bis zu zwölf Betten. Sollte einer von ihnen an Covid-19 erkranken, würde das Gesundheitsministerium in Lima das Hostel bis zu drei Monate schließen. So ergeht es gerade den Gästen nebenan im Hotel Pariwana.

Seitdem sich das Coronavirus als Pandemie über den Globus verbreitet, mussten allein 175.000 Deutsche aus rund 60 Ländern mit Hilfe des Auswärtigen Amts zurückgebracht werden. Die Rückholung gestrandeter Reisenden gestalte sich schwierig, heißt es in Berlin - etwa, weil die Reiseländer ihren Luftraum gesperrt hätten oder weil es um Individualreisende gehe, die in ihren Reiseländern wegen der Corona-Restriktionen nicht zu den Abholpunkten gelangen könnten. Ein Beispiel dafür: die Touristenhochburg Cusco.

Vor Maccu Picchu kam die Ausgangssperre

Philipp C., der als Business-Development-Manager arbeitet, wollte ein paar Wochen in Peru bleiben. Als sich Mitte März die Lage wegen des Virus' zuspitzte und das Land urplötzlich die Grenzen zumachte, saß er mit schätzungsweise 600 anderen Deutschen in Cusco fest. Und genau an dem Tag als er nach Maccu Picchu aufbrechen wollte, trat die Ausgangsperre in Kraft.

39 Soles kostet die Nacht im Hostel, das sind zwar umgerechnet nur zehn Euro, doch die Sitten sind streng. "In den ersten Tagen kam die Polizei öfter hierher und hat uns auf Alkohol getestet", erzählt C.. 20 Backpacker seien für fünf Stunden auf die Wache gebracht worden. Grund: "Es ist während der Quarantäne nicht erlaubt, in Gruppen Alkohol zu trinken. Das wussten wir nicht, schließlich hat ihn das Hostel ausgeschenkt."

Kurzfristig die Landeerlaubnis gestrichen

Es gab Versuche, C. und die anderen aus dem Land herauszubekommen. Doch der vorerst letzte, geplant für diesen Dienstag, war daran gescheitert, dass die Behörden kurzfristig die Landeerlaubnis gestrichen haben. Obwohl die vorher zugesagt wurden sei, außerdem habe es "absurde Zeitfenster" gegeben, die mit "internationalen luftfahrtrechtlichen Regelungen nicht in Einklang zu bringen waren", heißt es bei der deutschen Botschaft in Lima.

Maria und Diana sitzen in Auckland fest und berichten von ihrer Rückholaktion nach Deutschland

Botschafter Stefan Herzberg hatte den "lieben Landsleuten" zuvor mitgeteilt, dass zwei Flüge von Cusco nach Santiago de Chile mit Anschlussflug nach Deutschland organisiert seien. Und die Mahnung mitgeschickt, dass, wer sich anmelde, auch erscheinen solle, denn das "Rückholprogramm der Bundesregierung ist kein Wunschkonzert - mit Verlaub gesagt", so der Diplomat. Die nächsten zwei Rückholflüge plant das Auswärtige Amt nun für diesen Mittwoch und Donnerstag. Philipp C. hat tatsächlich ein Flugticket erhalten. Allerdings dürfen nur zwei von acht Deutschen aus seinem Hostel ausreisen.

"Ein soziales Experiment auf engstem Raum"

Laut der Luftfahrtseite "Aero-Telegraph" seien im Außenamt allein zwölf Leute nur mit dem Problem Peru beschäftigt. Unter den Touristen sei auch ein Journalist von der "Wirtschaftswoche". Er kritisiert laut "Aero-Telegraph" sowohl Deutschland als auch die Europäische Union. Sie würden sich "von der peruanischen Regierung am Nasenring durch die diplomatische Arena" ziehen lassen. Andere Länder wie Israel oder Mexiko hätten ihre Bürger längst ausgeflogen.

Auch Philipp C. hat das resigniert zur Kenntnis genommen. Zu lange sitzt er bereits fest. Dass er wirklich mit einem der nächsten Rückflüge nach Deutschland fliegen kann glaubt er erst, wenn er im Flugzeug sitzt. Derweil halten sich die Bewohner des Hostels mit Sport fit, abends müssen sie ab 20 Uhr aufs Zimmer. "Es ist ein soziales Experiment auf engstem Raum und mit viel psychischem Stress", sagt der 29-Jährige.


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