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Airbus-Absturz: Bergungsschiffe eilen zum Unglücksort

Inzwischen ist es traurige Gewissheit: Die im Atlantik vor Brasilien gefundenen Trümmer stammen vom abgestürzten Air-France-Airbus. Im Laufe des Tages werden die ersten Bergungsschiffe am Unglücksort erwartet. Wichtigste Aufgabe: die Suche nach der Blackbox. Doch die liegt möglicherweise tief im Ozean und die Zeit wird knapp.

An der Unglücksstelle der Air-France-Maschine im Atlantik werden im Laufe des heutigen Mittwochs die ersten Schiffe der brasilianischen Marine erwartet. Sie sollen vor allem die Wrackteile des Airbus A 330-200 bergen. Die Chancen, zwei Tage nach dem Absturz noch Überlebende zu finden, werden als äußerst gering eingeschätzt.

Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim hatte am Dienstagabend in Rio bestätigt, dass die rund 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Festlandküste entdeckten Wrackteile zu der Air-France-Maschine gehören. "Die Trümmer sind von dem (Air-France)-Flugzeug. Daran gibt es keine Zweifel." Die Fundstelle liegt 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Insel Fernando de Noronha und in der Nähe der sogenannten Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik.

An Bord waren 228 Passagiere, darunter 26 Deutsche. Es ist die größte zivile Luftfahrt-Katastrophe seit 2001, als beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben kamen. Die Hinweise auf die Absturzstelle der Air- France-Maschine hatten sich am Dienstag verdichtet, nachdem die brasilianische Luftwaffe einen auf dem Wasser treibenden Passagiersitz sowie Metallteile und Öl- und Kerosin-Spuren sichtete. Die Wrackteile seien auf eine Länge von fünf Kilometern verstreut, berichtete Jobim, der vor der Pressekonferenz im Hotel Windsor in Rio de Janeiro die Familien und Freunde der Opfer informiert hatte.

Die Schiffe könnten nicht schneller am Einsatzort sein, sagte der Minister. Allerdings halten sich an der Absturzstelle auch drei Handelsschiffe auf - zwei niederländische und ein französisches. Möglicherweise können sie bei der Bergung der Wrackteile helfen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat keiner der Passagiere das Unglück überlebt. Jobim wollte aber nicht über die Überlebenschancen sprechen. "Die Suchoperation basiert auf Fakten und Resultaten, nicht auf Hypothesen", sagte er. Eine Air-France-Sprecherin kündigte für Mittwoch die Bekanntgabe der Passagierliste an.

Die Bergungsarbeiten dürften sich als äußerst schwierig erweisen. Der Atlantik ist nach Angaben eines brasilianischen Ozeanologen an der Stelle bis zu 4000 Meter tief. Allerdings schwankt die Tiefe, weil der Atlantik in der Nähe der Fundstelle von Meeresgebirgen durchzogen wird. Auch die starke Strömung müsse bei der genauen Ortung des Wracks berücksichtigt werden. Frankreichs Regierung entsandte sofort nach der Sichtung der Wrackteile ein Spezialschiff in die Region. Es ist mit Tauchgeräten ausgestattet, die bis zu einer Tiefe von 6000 Metern arbeiten können. Mit ihnen ließen sich 97 Prozent des Meeresbodens untersuchen, teilte Verkehrsminister Jean-Louis Borloo mit.

Völlig unklar ist weiter die Absturzursache. Die Maschine war am Sonntag von Rio de Janeiro mit Ziel Paris gestartet. Über dem Atlantik verloren die Flugsicherheitsbehörden dann in der Nacht jeden Kontakt zu der Maschine. Es wird darüber spekuliert, ob ein Blitzschlag oder möglicherweise eine Explosion den Absturz verursachte. Aufgrund der Fundstelle der Wrackteile sei es denkbar, dass der Air-France-Pilot angesichts einer Schlechtwetterfront noch versucht habe umzudrehen, meinte ein französischer Militärsprecher.

Letztlich wird nur die Blackbox des Flugzeuges konkreten Aufschluss geben können. Die Bergung dürfte aber aufgrund der Meerestiefe extrem schwierig und zeitaufwendig werden. "Es wird sehr schwer, danach zu suchen, denn sie könnte in einer Tiefe von 2000 bis 3000 Meter in diesem Teil des Ozeans liegen", sagte Verkehrsminister Borloo über die Blackbox. Die Suche ist ein Wettlauf gegen die Zeit, weil die Signale der Box mit dem Flugschreiber nach 30 Tagen erlöschen.

Erschwert wird das Vorhaben voraussichtlich von schlechtem Wetter, wie es um diese Jahreszeit in der Region üblich ist und das möglicherweise auch entscheidend zum Absturz der Maschine beigetragen hat. Im Suchgebiet seien metallische und nichtmetallische Teile vorgefunden worden, sagte Jobim. Eine nähere Beschreibung gab er nicht.

Die brasilianische Regierung ordnete unterdessen drei Tage Staatstrauer an. Dadurch solle der Opfer des Flugzeugunglücks gedacht werden, erklärte Vize-Präsident José Alencar, der während eines Auslandsaufenthaltes von Staatschef Luiz Inàcio "Lula" da Silva in Guatemala auch amtierender Präsident Brasiliens ist.

DPA/AP/AFP / AP / DPA