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Österreich: Zeugen berichten: Der dramatische Überlebenskampf der abgestürzten Bergsteiger

Das Bergunglück in den Alpen mit fünf Toten und einem Schwerverletzten ist eines der schwersten seiner Art in Österreich in den vergangenen Jahren. Augenzeugen mussten den Absturz der sechs Männer aus nächster Nähe mit ansehen.

Die Rettungskräfte konnten in den österreichischen Alpen fünf Bergsteiger nur noch tot bergen

Die Rettungskräfte konnten in den österreichischen Alpen fünf Bergsteiger nur noch tot bergen

Es sollte ein Abenteuer in den Alpen werden, doch es geriet zu einem der schwersten alpinen Unglücke Österreichs der vergangenen Jahre. Auch am Tag nach dem Absturz von sechs Bergsteigern aus Bayern herrscht im Salzburger Land weiter Bestürzung - fünf Männer starben, einer wurde schwer verletzt, nachdem die Gruppe auf der Mannlkarscharte ins Rutschen geriet.

Am Sonntagmorgen machten sich die Alpinisten auf den Weg: Von der Zittauer Hütte, wo die Sechs die Nacht verbrachten, sollte es auf den Berg Gabler gehen, einen Dreitausender in den Zillertaler Alpen. Der Weg führte über einen schneefreien und daher spiegelglatten Gletscher - er nahm ein tragisches Ende.

Zeugen sahen den Absturz in den Alpen mit an

Mehrere Augenzeugen mussten das Unglück aus nächster Nähe hilflos mit ansehen und berichteten jetzt den Ablauf des Unglücks. Sie waren ebenfalls auf dem Berg unterwegs und gingen nach Angaben der Polizei nur etwa 30 bis 50 Meter hinter den Verunglückten. Ihre Schilderungen lassen erahnen, wie dramatisch der Kampf ums Überleben der sechs Bergsteiger gewesen sein muss.

Die Verunglückten bildeten demnach eine Seilschaft, waren also über ein Seil miteinander verbunden, um sich gegenseitig zu sichern. In rund 3000 Metern Höhe wurde es den Zeugenaussagen zufolge dem Letzten in der Seilschaft an dem eisglatten Gletscher zu riskant. Die Gruppe entschloss sich demnach nach einer Diskussion zum Umkehren. Dabei soll der Zweite am Seil ausgerutscht sein und seine Kletterpartner mitgerissen haben. "Die letzten Zwei versuchten den Sturz noch mit Pickeln zu halten", berichtete Bergretter Franz Gensbichler der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Der verzweifelte Rettungsversuch schlug fehl, die Gruppe sei dann rund 200 Meter über Eis und Geröll in eine Gletscherspalte abgestürzt. Der Hang sei etwa 40 Grad steil gewesen. "Sobald die Seilschaft ins Rutschen gerät, ist die Chance gleich null", sagte Einsatzleiter Martin Reichholf dem österreichischen Rundfunk ORF.

Ermittlungen zur Ursache des Unglücks laufen

Ein unbeteiligter Bergführer, der ebenfalls in der Nähe war und den Absturz beobachtete, alarmierte die Rettungskräfte. Nach stundenlangen Rettungsarbeiten in dem unwegsamen Gelände konnten sie fünf Männer im Alter zwischen 34 und 70 Jahren nur noch tot bergen, ein sechster Bergsteiger kam mit schweren Verletzungen in ein Salzburger Krankenhaus. Der 75-Jährige stammt - wie die Todesopfer - aus dem Regierungsbezirk Oberbayern. Er schwebe zwar nicht in Lebensgefahr, sei aber nicht ansprechbar, erklärte der behandelnde Arzt der ARD. Sobald dies der Fall ist, will die Polizei ihn zum Ablauf des Unglücks befragen. Bei den Ermittlungen soll auch geklärt werden, wie erfahren die Bergsteiger waren und mit welcher Ausrüstung sie den Aufstieg gewagt haben.

Dass Bergsteiger eine Seilschaft bilden, sei auf blanken Gletschern eher ungewöhnlich, sagte der Landesleiter der Tiroler Bergrettung, Hermann Spiegl, dem ORF. Hintergrund sei Lehrmeinungen zufolge die Gefahr des Abrutschens einer ganzen Gruppe.

mit DPA-Material