HOME

Angela Madsen: 4400 Kilometer Rudern: Gelähmte Sportlerin stirbt bei Rekordversuch im Pazifik

Die querschnittsgelähmte Angela Madsen hatte fünf Weltrekorde für das Durchrudern von Ozeanen aufgestellt. Nun ist sie beim Versuch, allein von Los Angeles nach Honolulu zu rudern, ums Leben gekommen.

Angela Madsen wollte von Los Angeles nach Honolulu rudern

Angela Madsen wollte von Los Angeles nach Honolulu rudern

Picture Alliance

Was in den letzten Minuten des Lebens von Angela Madsen, 60, passiert ist, lässt sich nur erahnen. Mitten auf dem Pazifik, etwa auf halber Strecke von Los Angeles nach Honolulu, wollte die behinderte Extremsportlerin für eine Reparatur von ihrem Ruderboot ins Wasser gehen. Das hatte sie jedenfalls laut ihrer Frau Debra am Sonntagmorgen (Ortszeit) vor einer Woche via Satellitentelefon angekündigt. Nach mehreren Stunden ohne Kontakt zu der Ruderin und weil laut Medien die GPS-Daten nahelegten, dass Madsens Boot durchs Meer trieb, hatte Debra schließlich die US-Küstenwache alarmiert.

Die entdeckte schließlich am Montag vergangener Woche bei einem Überflug, wie Madsen angeleint leblos neben ihrem Boot trieb. Offenbar war es der querschnittsgelähmten Sportlerin nicht mehr gelungen, zurück an Bord zu klettern. Damit nimmt ihr sechster Rekordversuch ein tragisches Ende.

Angela Madsen wollte 4400 Kilometer übers Meer rudern

Madsens Ziel war es, als erste Querschnittsgelähmte und als älteste Frau allein von Los Angeles nach Honolulu zu rudern – mehr als 4400 Kilometer über den Pazifik. Laut ihrer Homepage wollte sie abwechselnd zwei Stunden rudern und dann zwei Stunden pausieren.

Ihre Sportler-Karriere hatte sie bei den US-Marines begonnen, wo sie beim Basketball-Training einen Unfall hatte. Eine misslungene Bandscheiben-Operation brachte sie 1993 in den Rollstuhl. 2002 trat sie im US-Team erstmals bei den Ruder-Weltmeisterschaften für Behinderte an. Auch bei den Paralympics 2008, 2012 und 2016 war Madsen laut ihrer Homepage im Rudern sowie in der Leichtathletik angetreten und hatte 2012 sogar eine Bronzemedaille im Speerwurf gewonnen. Seit 2007 hatte sie mehrere Ozeane durchrudert. Das "Guiness Book of Records" führt unter ihrem Namen fünf Rekorde im Langstrecken-Rudern auf.

"Wenn, dann wollte sie so sterben"

Der auf drei bis vier Monate angelegte Ruder-Trip von L.A. nach Honolulu sollte ihr sechster Rekord werden. "Einen Ozean allein zu durchrudern war ihr größtes Ziel", schreiben Madsens Frau Debra und Filmemacherin Soraya Simi in der Todesnachricht auf der Homepage "Rowoflife.org". Madsen habe die Risiken besser als jeder andere gekannt und sei bereit gewesen, sie einzugehen: "Denn auf See zu sein, machte sie glücklicher als alles andere. Sie sagte uns immer wieder, dass sie, wenn sie bei dem Versuch sterben würde, so sterben wollte."

Unterstützer haben eine Spendenseite eingerichtet, um den Rücktransport von Madsens Leichnam ins heimische Kalifornien zu finanzieren. Demnach hat ein deutscher Frachter Madsen geborgen und dann seinen Weg nach Tahiti fortgesetzt. Von dort aus soll Madsen zurück in die USA gebracht werden. Ihr Boot treibt laut den Unterstützern noch auf dem Pazifik.

Quellen: Rowoflife.org, "CNN", USRowing.org, "Guiness Book of Records".

tkr