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Belgien: 15 Tote bei Gasexplosion

Bei der Explosion einer leck geschlagenen Gasleitung sind in Belgien mindestens 15 Menschen getötet und 120 verletzt worden. Die Erdgas-Pipeline war in die Luft geflogen, als die Feuerwehr gerade einen Noteinsatz vorbereitete.

Drei Menschen wurden am Abend noch vermisst, berichtete Ministerpräsident Guy Verhofstadt, der aus dem Urlaub an den Unglücksort bei Ath in der Provinz Hainaut (Hennegau) geeilt war. "Es ist eine bedrückende Bilanz", sagte Verhofstadt und wies darauf hin, dass die Angaben vorläufig seien. Verteidigungsminister André Flahaut schloss nicht aus, dass sich diese Bilanz noch verdüstern könnte. Mindestens 20 Verletzte erlitten nach offiziellen Angaben schwerste Verbrennungen. Weitere Opfer könnten noch in den Trümmern am Explosionsort gefunden werden, über denen noch am Abend Rauchsäulen standen. Die Regierung kündigte einen nationalen Trauertag an und ließ im ganzen Land bereits die Fahnen auf Halbmast setzen.

Menschen wurden hunderte Meter durch die Luft geschleudert

Gegen 8.30 Uhr hatten Mitarbeiter eines Betriebes auf einem Gelände in Ghislenghien bei Ath wegen eines starken Gasgeruchs die Feuerwehr alarmiert. Eine halbe Stunde später, als die Brandbekämpfer die Stelle gerade weiträumig absperren wollten, ereigneten sich mehrere schwere Explosionen, durch die Menschen hunderte Meter weit durch die Luft geschleudert wurden. Fünf der Toten sind Feuerwehrleute. Der gerade neu errichtete Betrieb, dessen Mitarbeiter Alarm geschlagen hatten, wurde dem Erdboden gleichgemacht. In 300 Meter Umkreis wurde nahezu alles zerstört.

Der Schlag ließ die Erde erzittern

Noch in mehreren Kilometern Entfernung spürten Augenzeugen die Explosion und sahen in den Himmel jagende Flammen sowie eine riesige Rauchsäule. Ein Privatmann filmte das Inferno aus 500 Meter Entfernung und sagte, noch dort spüre er die Hitze. Der Schlag ließ die Erde erzittern.

Im ganzen Land wurden die Krankenhäuser alarmiert, auch Kliniken in Nordfrankreich nahmen Verletzte auf. Das Rote Kreuz bat um Blutspenden. Bundesaußenminister Joschka Fischer und der französische Präsident Jacques Chirac sprachen den Opfern ihr Beileid aus. Verhofstadt dankte Frankreich, Deutschland und den Niederlanden für die Unterstützung. Auch König Albert II. will seinen Urlaub unterbrechen und an diesem Samstag mit Opfern und Angehörigen sprechen.

Ursache noch unklar

Die Behörden rechnen mit langwierigen Untersuchungen zur Klärung der Unglückursache. Sicher ist, dass eine von der belgischen Küste zur französischen Grenze führende unterirdische Gasfernleitung leck geschlagen war. Dies bestätigte die Betreiberfirma Fluxys in Antwerpen. "Aber was genau die Explosion ausgelöst hat, muss noch näher untersucht werden", sagte der wallonische Umweltminister Benoît Lutgen. Dass Bauarbeiten auf dem Industriegelände das austretende Gas entzündet haben, wurde vermutet, doch nicht bestätigt. "Wir halten die europaweit gültigen Standards ein", versicherte ein Vertreter der Firma Fluxys. Der Handel mit deren Aktien wurde am Nachmittag an der Börse gestoppt, einen Kursverlust hatte es bis dahin nicht gegeben.

Experten stehen vor einem Rätsel

Auch für deutsche Fachleute war das Unglück zunächst unerklärlich. "Das Ganze ist sehr rätselhaft, denn Erdgas ist nicht leicht zur Explosion zu bringen", sagte Gas-Experte Prof. Klaus Homann von der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) der dpa. "Technisch sind die aus Spezialstahl gefertigten Pipelines heutzutage sehr, sehr sicher", betonte Lars Bangert vom Münchner Pipelinebauer ILF der dpa in München. Ein schwerer Bagger könne aber ein Leck verursachen, so dass Gas austritt. Homann erläuterte: "Das heißt aber nicht, dass es zu brennen beginnt oder gar explodiert." Besonders im Freien sei eine Gasexplosion äußerst selten.

DPA

DPA / DPA