Bestätigung der brasilianischen Regierung Trümmer stammen von Air-France-Airbus

Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim hat "keinen Zweifel": Die im Atlantik vor Brasilien gefundenen Wrackteile gehören zur abgestürzten Air-France-Maschine. Es seien Metallgegenstände und Kabel entdeckt worden, die zu einem Airbus gehörten, betonte Jobim. Insofern sei klar, dass die Maschine mit 228 Menschen an Bord dort abgestürzt sei.

Die vor der Küste Brasiliens georteten Wrackteile stammen nach Angaben der brasilianischen Regierung von dem am Montag abgestürzten Airbus der Air France. Daran gebe es "keinen Zweifel", erklärte der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim am Dienstag in Rio de Janeiro. Militärflugzeuge hätten im Atlantik über eine Strecke von fünf Kilometern verstreute Wrackteile gefunden. Dies bestätige, dass das Flugzeug in dem Gebiet mehrere hundert Kilometer nördlich der Inselgruppe Fernando de Noronhaan abgestürzt sei, sagte der Minister.

"Wir gehen davon aus, dass es sich um den Airbus (der Air France) handelt", sagte Jobim, der kurz zuvor die Angehörigen der Passagiere und Besatzungsmitglieder in Rio persönlich informiert hatte. Es seien Metallgegenstände und Kabel entdeckt worden, die zu einem Airbus gehörten, betonte Jobim. Auch ein treibender Passagiersitz wurde geortet. An Bord der Maschine waren insgesamt 228 Menschen, darunter wahrscheinlich 26 Deutsche.

Die Luftwaffe hatte wenige Stunden zuvor gemeldet, dass im Wasser ein Flugzeugsitz, Rettungswesten und metallische Gegenstände gesichtet wurden, begleitet von Schlieren, die auf Öl oder das Flugzeugbenzin Kerosin schließen lassen. Bergungsschiffe sollen das Gebiet rund 650 Kilometer nördlich der Inselgruppe Fernando de Noronha erst an diesem Mittwoch erreichen, wie Luftwaffensprecher Jorge Amaral sagte. Die Fundstelle der Trümmer lasse es möglich erscheinen, dass der Pilot angesichts der Schlechtwetterfront noch umzudrehen versucht hatte, fügte Amaral hinzu

Allerdings dürfte die Bergung von Material und von Opfern äußerst schwierig werden. "Durchschnittlich wird in diesem Bereich eine Tiefe von 4000 Metern gemessen", sagte Moysés Tessler vom Ozeanologischen Institut der Universität São Paulo am Dienstag. Somit liegen die Trümmer der Maschine vermutlich in großer Tiefe - bei meist rauher See. Bis die Bergungsschiffe eintreffen, sucht die Luftwaffe das Seegebiet weiter rund um die Uhr ab. Auch ein französisches Flugzeug und US-Satelliten sind an der Suche beteiligt. Schlechtes Wetter erschwert den Einsatz jedoch.

Der Airbus war unter Flugnummer AF 447 am Montag von Rio des Janeiro aus gestartet - ein Kürzel, dass die Angehörigen der Passagiere und Besatzungsmitglieder der vermissten Air-France-Maschine nicht mehr vergessen werden. Sie haben in der Nacht zu Dienstag wohl kaum geschlafen. Nach den Äußerungen der brasilianischen Regierung scheint nun mehr denn je ausgeschlossen, dass die Maschine noch irgendwo mitten im Atlantik treibt und die Menschen an Bord gerettet sind.

Unter den Opfern sollen zahlreiche Geschäftsreisende sein. Ein Sprecher von ThyssenKrupp bestätigte, dass ein 41-jähriger Manager des Unternehmens auf der Unglücksmaschine gebucht war. Ob er auch wirklich in der Maschine saß, ist unbekannt. "Wir müssen abwarten", sagte der Sprecher. Der 41-Jährige ist dreifacher Vater und für die Stahlsparte des Konzerns tätig.

Musical-Darstellerin unter den Opfern

Der ARD-Korrespondent Thomas Aders berichtete am Montagabend mit tränenerstickter Stimme aus Rio de Janeiro, er sei mit einer mutmaßlich vom Absturz betroffenen Familie aus dem Raum Stuttgart persönlich bekannt. Er sprach dem in Deutschland gebliebenen Mann der betroffenen Frau sein Beileid aus. Diese war mit ihren Eltern, ihrer Schwester sowie deren zweijähriger Tochter an Bord.

Keinen Zweifel gibt es zudem, dass eine Stuttgarter Musical-Darstellerin mit der Maschine verunglückte. Angehörige hätten mit Juliana de Aquino, die in "Wicked - Die Hexen von Oz" die Madam Akaber verkörpert, telefoniert, als die 29-Jährige schon an Bord und unterwegs war, teilte das Musical-Unternehmen Stage Entertainment mit. Nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) waren acht Passagiere des Airbus zum Weiterflug von Paris nach München gebucht, einer wollte nach Nürnberg. Die übrigen deutschen Reisenden wollten nach Berlin, Hamburg und Düsseldorf.

Ein Großteil der Passagiere des Flugs AF 447 stammt aus Frankreich. Eine junge Frau aus Clermont-Ferrand zählt dazu. Sie hatte zehn Tage Urlaub in Brasilien gemacht, wo ihr Freund derzeit arbeitet. Das junge Paar ist beim französischen Reifenhersteller Michelin angestellt. "Ihr Freund hatte sie noch zum Flughafen gebracht", berichtete ihr Bruder einer Zeitung. Seine Mutter habe im Radio gehört, dass das Flugzeug vermisst sei. "Sie wusste sofort, dass es ihr Flug war", sagte er. Die junge Französin habe sich gerade von einer schweren Krankheit erholt. "Wir waren so froh, dass es ihr besser ging. Sie hatte noch so viel vor ..."

Die Angehörigen, die nach dem Unglück auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle eintrafen, hatten sich Sonnenbrillen aufgesetzt, andere schlugen die Hände vors Gesicht. Sicherheitsbeamte leiteten sie direkt in einen Raum, in dem sie von Psychologen betreut wurden. Etwa 100 Angehörigen hatten sich auf dem Flughafen eingefunden. Für viele Passagiere wäre Paris nur ein Zwischenstopp gewesen - auch für die Deutschen.

Erst nach und nach wurde bekannt, wer sich außerdem noch in dem Flugzeug befand: eine 26 Jahre alte irische Ärztin, die mit Studienfreunden im Urlaub war, eine türkische Harfenspielerin, die ein Konzert in Brasilien gegeben hatte, eine junge Spanierin, die von ihrer Hochzeitsreise zurückkam. Air France veröffentlichte eine Passagierliste mit 33 verschiedenen Nationalitäten. Außer den Deutschen waren vor allem Franzosen (73 Passagiere und Crew) und Brasilianer (58) an Bord.

Angehörige wollen Unglück nicht wahrhaben

"Es ist normal, dass die Angehörigen das Unglück erst einmal leugnen und nicht wahrhaben wollen", sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes, der sich um die Betreuung kümmerte. Besonders schlimm sei es, dass so lange nicht klar sei, was tatsächlich passiert ist. Die französische Regierung hat den Angehörigen nun angeboten, in die Zone zu reisen, in der die Maschine gesucht wird.

DPA/AP/AFP AP DPA

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