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Drama in den USA: Todesfahrt nach Trunkenheits-Tweet

Sie wollten feiern und Spaß haben, doch die Fahrt nach Hause wird für drei junge Frauen aus Florida zum Alptraum. Zwei sterben bei einem Unfall, die Verursacherin wird im Netz zur Hassfigur.

Von Christoph Fröhlich

Die beiden Unfallopfer Marisa Catronio und Kaitlyn Ferrante

Die beiden Unfallopfer Marisa Catronio und Kaitlyn Ferrante

Sie sind jung, schön und lieben Partys: Bis in die Nacht lassen es am vergangenen Samstag die beiden besten Freundinnen Marisa Catronio (21) und Kaitlyn Ferrante (20) krachen. Erst Sonntagnacht, weit nach ein Uhr, machen sie sich auf den Rückweg. Kaitlyn setzt sich an das Steuer ihres Wagens, Marisa nimmt auf dem Beifahrersitz Platz und beide fahren Richtung Coral Springs, wo ihre Eltern wohnen. Die Route führt sie über den Sawgrass Expressway in der Nähe der Everglades. Gegen 1.45 Uhr passiert es.

Eine junge Frau fährt mit ihrem Hyundai Sonota auf der falschen Straßenseite. Beide können nicht schnell genug reagieren, es kommt zu einer Kollision. Marisa ist auf der Stelle tot, ihre Freundin Kaitlyn wird mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Brownard Health North Krankenhaus gebracht. Sie wird den Kampf nicht gewinnen: Am Donnerstag nach dem Unfall erliegt sie den Folgen ihrer Verletzungen.

Hetzjagd auf die "Pothead Princess"

Im selben Krankenhaus liegt wenige Zimmer weiter die 20 Jahre alte Kayla Mendoza. Sie war die Fahrerin des Hyundai. Das Pikante: Am Samstag setzte sie gegen 23 Uhr einen Tweet ab, in dem sie schreibt: "2 drunk 2 care", was sinngemäß so viel heißt wie "zu besoffen, als dass mich noch irgendetwas interessieren könnte". Offenbar war Mendoza an diesem Abend nicht zurechnungsfähig, und es war keine Ausnahme, dass sie es im Netz verbreitete. Vier Tage vorher twitterte sie: "2 high 2 care". Sie hatte Gras geraucht.

Auf ihrem Twitter-Profil, wo sie sich selbst "Pothead Princess" nennt, häufen sich Beiträge aus den vergangenen Wochen, indem sie mit ihrem Alkoholkonsum und Cannabisverbrauch prahlt. So schrieb sie etwa einen Monat vor dem Crash, dass ihr "Auto permanent nach Gras riechen" würde, auf anderen Bildern zeigt sie selbstgerollte Joints.

Die Unfallverursacherin Kayla Mendoza (links) zeigt auf Twitter gerne Bilder von selbstgedrehten Joints (rechts).

Die Unfallverursacherin Kayla Mendoza (links) zeigt auf Twitter gerne Bilder von selbstgedrehten Joints (rechts).

Diese Tweets fallen nun auf sie zurück. Auf Twitter wird sie als "dumme Schlampe" bezeichnet, die zwei unschuldige Menschen in den Tod gerissen hat. Andere beschimpfen sie heftig, ein User schreibt, "sie soll in der Hölle verrotten". Andere sind entsetzt, so schreibt eine Twitter-Nutzerin: "Es ist wirklich schade, dass Menschen wie du da draußen sind." Es ist nicht nur der Unfall, der viele aufwühlt, sondern auch die Tatsache, dass die Verursacherin sich ihres Zustandes offenbar deutlich bewusst war - und trotzdem die möglichen Konsequenzen ohne Skrupel in Kauf nahm.

Auch die Polizei interessiert sich für die Tweets von Mendoza. Bislang haben die Ermittler noch keine rechtlichen Schritte gegen die Unfallverursacherin eingeleitet. Allerdings wurde eine toxikologische Untersuchung gemacht, derzeit werden die Ergebnisse abgewartet.

"Bitte drückt eure Kinder heute Abend"

Mendoza wird im Netz zur Hassfigur, Catronios Vater dagegen von einer Welle des Mitgefühls überrollt. Er erzählte der "Sun Sentinel", dass er nervös wurde, weil sich seine Tochter am Sonntag um zwei Uhr morgens noch nicht bei ihm gemeldet hatte. Also nutzte er eine App auf seinem Smartphone, um das Handy seiner Tochter zu orten, doch auf der Landkarte entdeckte er nur einen sich nicht bewegenden Punkt auf dem Expressway. Er setzte sich sofort in das Auto und fuhr los, doch an der Unfallstelle angekommen fand er nur die Polizei und seine tote Tochter.

"Mein kleines Mädchen ist nicht mehr da, weil eine andere Fahrerin aus Unaufmerksamkeit auf die falsche Seite des Highways gefahren ist", sagt der Vater "NBC Miami" in einem sehr emotionalen Interview. Er kämpfe nun dafür, dass so etwas nie wieder vorkommt und die Highway-Auffahrrampen mit Stacheln und Blendlichtern vor Geisterfahrern geschützt werden, schreibt die "Huffington Post". "Sie liebte Mode, Shoppen, Backen und das Bauen von selbstgebastelten Schmuckstücken. Sie war so voller Leben." Mit Tränen in den Augen wendet er sich im "NBC"-Interview an die Zuschauer: "Bitte drückt eure Kinder heute Abend, denn ich kann meine Tochter nie wieder in die Arme nehmen."