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Deal mit Staatsanwaltschaft Enkelin stürzte von Kreuzfahrtschiff: Großvater bekennt sich der fahrlässigen Tötung schuldig

Das Kreuzfahrtschiff "Freedom of the Seas"
Die Reederei der "Freedom of the Seas" wehrt sich auch mit einem Überwachungsvideo gegen die Vorwürfe, gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen zu haben (Symbolbild)
© Ron Sachs / Picture Alliance
Ein Verbrechen habe er nicht begangenen, dennoch hat ein US-Amerikaner vor Gericht eingeräumt, für den Tod seiner Enkelin verantwortlich zu sein. Das 18 Monate alte Kind war im Juli 2019 aus dem Fenster auf Deck 11 eines Kreuzfahrtschiffes gestürzt.

Etwas mehr als anderthalb Jahre nach dem tödlichen Sturz eines 18 Monate alten Mädchens von einem Kreuzfahrtschiff ist der Großvater des Kindes zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Demnach bekannte sich der US-Amerikaner Salvatore Anello am Montag vor einem Gericht in Puerto Rico der fahrlässigen Tötung seiner Enkelin schuldig, wie unter anderem CNN berichtete. Das Mädchen war am 7. Juli 2019 aus einem Fenster im elften Stock des Kreuzfahrtschiffes "Freedom of the Seas" rund 45 Meter tief auf die Kaimauer des Hafens in San Juan gestürzt und gestorben.

Anello hatte vor dem Unglück mit seiner Enkelin auf einem Spielplatz des Schiffes gespielt, als er das Kleinkind im weiteren Verlauf in das Fenster hob – eigenen Angaben aus November 2019 nach im Glauben, dass sich dort eine geschlossene und nicht zu öffnende Glaswand befinde. Auch später beteuerte Anello immer wieder, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe, weil er fest davon ausgegangen sei, das Fenster wäre verschlossen. Die Reederei Royal Carribean, zu der die "Freedom of the Seas" gehört, veröffentlichte indes Aufnahmen einer Überwachungskamera, die den Vorfall zeigen. Laut einem CBS-Bericht ist auf dem Video zu sehen, wie sich Anello zunächst 14 Sekunden lang aus dem Fenster lehnt, er anschließend seine Enkelin hochhebt und für 34 Sekunden über das Geländer hält, ehe sie ihm entgleitet und es zu dem fatalen Sturz kommt.

Anello kommt nach Deal um Haftstrafe herum

Anello habe das Mädchen "fahrlässig aus dem Fenster" gehalten, hieß es in einer Regierungsmitteilung Puerto Ricos. Dass Anello, der zu Beginn des Prozesses noch auf unschuldig plädiert hatte, ums Gefängnis herumkommt, verdankt er laut CNN einem Deal mit der zuständigen Staatsanwaltschaft. Demnach wurden dem inzwischen in Michigan lebenden Mann eine Bewährungsstrafe zugesichert, wenn er sich schuldig bekennt.

Er verspüre "eine Mischung aus Wut und Erleichterung", erklärte Anello dem Bericht zufolge nach seiner Verurteilung. Erleichterung, dass er nicht ins Gefängnis müsse und seine Familie das Kapitel nun abschließen könne. Er habe "kein Verbrechen begangen", aber beschlossen die Anklage nicht anzufechten, so der Verurteilte, der auch erklärte, seine Enkelin sehr zu vermissen.

Mit Anellos Schuldeingeständnis könne sich die Familie nun zudem stärker auf den Zivilprozess gegen die Reederei Royal Carribean fokussieren, zu der die "Freedom of the Seas" gehört. Die Eltern des Mädchens geben der Kreuzfahrtgesellschaft die Schuld an dem Unglück. Diese habe durch das geöffnete Fenster gegen die Sicherheitsvorschriften verstoßen, so der Vorwurf. Im April soll darüber ein Gericht entscheiden.

Salvatore Anello gab dem TV-Sender CBS im November 2019 ein Interview, in dem er auch über den Moment des tragischen Unfalls sprach. Damals war der US-Amerikaner kurz zuvor in Puerto Rico wegen fahrlässiger Tötung seiner Enkelin angeklagt worden. Auszüge des Interviews können Sie hier noch einmal anschauen: 

Puerto Rico: Enkelin fiel von Kreuzfahrtschiff – Großvater gibt tränenreiches Interview

Quellen: CNN / CBS (1) / CBS (2)  

mod

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