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Erdbeben in China: Die Dämme drohen zu brechen

Fast zwei Wochen nach dem verheerenden Beben ist die südwestchinesische Provinz Sichuan erneut von einem heftigen Erdstoß erschüttert worden. Mehr als 70.000 Häuser stürzten ein. Heftige Regenfälle und Nachbeben verschärfen die Gefahr, dass Dämme brechen. Dann wären Hunderttausende Menschen bedroht.

Ministerpräsident Wen Jiabao schloss einen Anstieg der Todesopfer auf mehr als 80.000 nicht aus. Fast 30.000 Menschen würden in der Region noch vermisst. Inzwischen seien 60.560 Todesopfer bestätigt, sagte Wen Jiabao.

Akute Gefahr drohte für mehr als 700.000 Menschen durch 35 natürliche Seen, die sich nach Erdrutschen in Flüssen aufgestaut hatten. Ferner könnten 69 beschädigte Dämme von Wasserreservoirs brechen, warnte der Vizeminister für Wasserressourcen, E Jingping. Weitere 310 Stauseen seien in einem "höchst gefährlichen" Zustand. Starke Regenfälle in den nächsten Tagen seien "eine große Bedrohung", sagte der Vizeminister und warnte vor Dammbrüchen und Flutwellen. Inzwischen wurden offiziellen Angaben zufolge rund 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht, die von 19 Stauseen dieser Art bedroht wurden.

Im Gebiet des starken Nachbebens waren Soldaten zu Fuß mit Zehn-Kilogramm-Paketen Sprengstoff unterwegs, um einen See bei Tangjiashan zu erreichen. Er hat sich rund drei Kilometer oberhalb des weitgehend zerstörten Beichuan aufgestaut. Sein Wasserspiegel stieg allein am Samstag um knapp zwei Meter - bei einer Tiefe von nun 723 Metern, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Die Soldaten sollten in den von Trümmern gebildeten Damm Abflüsse sprengen, bevor er berste.

Überprüfung der Wasserkraft-Projekte

Das Epizentrum des Nachbebens lag nach Angaben des US-Geological Survey rund 40 Kilometer west-nordwestlich von Guangyuan, einer Millionenstadt unweit von Beichuan. China kündigte unterdessen eine Überprüfung der 13 Wasserkraft-Projekte an, die in Sichuan geplant sind. Die Gebirgsregion ist das chinesische Zentrum der klimafreundlichen Stromerzeugung mit Wasser.

Bei einem Kurzbesuch am Samstag im Erdbebengebiet sagte UN- Generalsekretär Ban Ki Moon weitere internationale Hilfe zu: "Die ganze Welt steht hinter ihnen und unterstützt sie." Er lobte die Reaktion der chinesischen Führung und die Hilfsbereitschaft im Volk. Regierungschef Wen Jiabao zeigte Ban Ki Moon die zerstörte Stadt Yingxiu im Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum gelegen hatte. Die Vereinten Nationen haben China bereits 4,5 Millionen Euro aus dem Nothilfe-Fonds zur Verfügung gestellt. Wen Jiabao sagte, Seuchen zu vermeiden, die fünf Millionen Obdachlosen mit Zelten zu versorgen und neue Katastrophen etwa durch Dammbrüche zu vermeiden, stünden gegenwärtig im Mittelpunkt der Bemühungen.

REUTERS/DPA / DPA
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