HOME

Verkehr zeitweise eingestellt: 100 Flüchtlinge stürmen den Eurotunnel

Sicherheitskräfte sprechen von einer "koordinierten Aktion": Mehr als 100 Flüchtlinge haben in der Nacht den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien gestürmt. Der Verkehr musste für viele Stunden eingestellt werden.

Zivil gekleidete Männer in Kapuzenmänteln und Sicherheitskräfte stehen hinter einem Zaun

Sicherheitskräfte nehmen Flüchtlinge in Gewahrsam nachdem sie in den Eurotunnel eingedrungen waren

Mehr als 100 Flüchtlinge sind in den Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich eingedrungen und haben den Zugverkehr stundenlang lahmgelegt. Wie das Unternehmen am Samstag mitteilte, dauert die Unterbrechung bis in den Morgen an. Um 8.00 Uhr fuhr der erste Zug von Großbritannien aus wieder in den Tunnel. Der Verkehr soll nun nach und nach wieder voll aufgenommen werden.

Laut der britischen Nachrichtenagentur PA stürmten die Migranten gegen Mitternacht die Gleise auf französischer Seite in Calais. Ein Firmensprecher sprach demnach von einer "gut organisierten und koordinierten Aktion". Polizei und andere Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Den Angaben zufolge waren die Asylsuchenden etwa 15 Kilometer weit in den rund 50 Kilometer langen Tunnel eingedrungen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zehn Menschen, darunter sieben Flüchtlinge, bei Beendigung der Aktion leicht verletzt.

Flüchtlinge aus Kühlwagen befreit

In der nordfranzösischen Hafenstadt kampieren derzeit etwa 3000 Flüchtlinge; die meisten stammen aus Ostafrika, Syrien und Afghanistan. Viele von ihnen versuchen, gesetzeswidrig durch den Tunnel oder auf Fähren nach Großbritannien zu gelangen. Seit Ende Juni kamen dabei mehr als zehn Menschen ums Leben. Vor allem am Gelände um den Tunnel sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden.

Unterdessen waren bereits am Freitag 31 Flüchtlinge lebend aus einem Kühllastwagen geborgen worden, der allem Anschein nach ebenfalls durch den Eurotunnel nach Großbritannien fahren wollte. Alle Migranten, darunter ein dreijähriges Kind, seien wohlauf, teilten die örtlichen Behörden mit. Demnach wurden die Flüchtlinge auf einem Rastplatz an der Autobahn A16 nahe der Stadt Dunkerque entdeckt. Sie hätten sich in dem Kühlbehälter des Lastwagens befunden, in dem weniger als ein Grad Celsius geherrscht haben. Dunkerque liegt auf dem Weg nach Calais.

dho/AFP/DPA