HOME

Flug MH17: Sky News entschuldigt sich für pietätloses Verhalten des Reporters

Colin Brazier hatte für Empörung im Internet gesorgt. Während einer Live-Schalte vom Unglücksort der Malaysia-Airlines-Maschine präsentierte er Gepäckstücke von toten Passagieren.

Der britische Fernsehsender Sky News hat sich für das pietätlose Verhalten eines Reporters entschuldigt. Dieser hatte an der Absturzstelle des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 das Gepäck eines getöteten Passagiers durchstöbert. Das Verhalten von Colin Brazier während einer Live-Sendung am Sonntag sei unangemessen gewesen, teilte Sky News mit. Sowohl der Reporter als auch der Sender bäten um Entschuldigung.

Brazier hatte seinen Zuschauern bei einer Live-Schaltung in die Ostukraine den Inhalt eines geöffneten Koffers präsentiert und dabei einen Schlüsselbund in die Hand genommen. Der Verstoß gegen den üblichen Verhaltenskodex bei laufenden Ermittlungen war ihm offenbar bewusst, darauf deutet seine mitgeschnittene Aussage hin: "Wahrscheinlich sollten wir das gerade nicht wirklich tun."

Sturm der Entrüstung in sozialen Netzwerken

Braziers Verhalten löste einen Sturm der Entrüstung in sozialen Netzwerken aus, einige Kommentatoren forderten seine Entlassung. BBC-Moderatorin Jacqui Oatley äußerte sich "erstaunt" über das Vorgehen ihres Kollegen, der Medienwissenschaftler Joe Watson von der Baker-Universität sprach von einem "fürchterlichen Moment für den Journalismus".

Das Passagierflugzeug von Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord war am Donnerstagabend im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Die Staatsführung in Kiew und die prorussischen Separatisten in der Region bezichtigen sich gegenseitig, die Boeing 777 abgeschossen zu haben. Unabhängige Untersuchungserkenntnisse gibt es bislang nicht. Berichte über die Behinderung der Ermittlungsarbeiten und Missstände bei der Bergung von Leichen am Absturzort machten weltweit Schlagzeilen.

AFP / AFP