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Nach dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt: Die Angst fährt mit im Harz-Elbe-Express

Als die ersten Züge wieder am Unglücksort in Hordorf vorbeifahren, denkt jeder an die Katastrophe vom Wochenende: Manche Fahrgäste lassen sich nichts anmerken, andere sind tief bedrückt.

Sanft gleitet der Harz-Elbe-Express (HEX) durch die Magdeburger Börde. Vor dem Fenster erstrecken sich brachliegende Felder, unter dem grauen Himmel stehen Baumreihen, zwei Rehe wenden die Köpfe in Richtung des blau-weiß-gelben Zuges. Doch die Unberührtheit der Landschaft hat in Hordorf ein abruptes Ende: Das Feld am Bahngleis ist von Baggern aufgewühlt, wie verletzt liegt die tiefschwarze Erde da.

Vor nicht einmal drei Tagen wurde hier ein Regionalexpress von den Schienen geschleudert, als er mit einem Güterzug zusammenprallte. Die Trümmerteile sind weggeräumt, doch der tiefe Riss im Boden klafft noch offen. Blumensträuße, ein Holzkreuz und rote Grablichter erinnern an die zehn Toten. Das jüngste Todesopfer ist ein zwölfjähriges Mädchen, das älteste Opfer ein 74-Jähriger. Ein kleines zehnjähriges Mädchen, das mit seiner Schwester und den Eltern im Zug gesessen hatte, liegt noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Es wird die schreckliche Nachricht verkraften müssen, dass seine Eltern und die Schwester das Unglück nicht überlebten.

"Ich habe Angst, die ganze Zeit", flüstert Caroline Mbugo in einem der ersten Züge, die seit dem frühen Dienstagmorgen wieder am Ort der Katastrophe vorbeifahren können. Sie wolle unbedingt die Unfallstelle sehen, sagt sie, und fixiert mit den Augen doch krampfhaft das Buch in ihrer Hand.

Eine vergebliche Schnellbremsung

Jason Schröder hingegen schaut gut gelaunt hinaus. Der Fünfjährige plappert als einziger im Zug vor sich hin, so als wäre nichts passiert. Seine Mutter gesteht ein, sie fühle sich gerade leicht hysterisch. "Mir ist flau im Magen. Ich wäre mit definitiver Sicherheit hier nicht eingestiegen - aber wir müssen nach Magdeburg."

"Ich bin abgebrüht", sagt Detlef Hoffmann. Den Berufsfeuerwehrmann beschäftigt am Dienstag nur die Frage, ob schon wieder Züge fahren dürfen. Die Zugbegleiterin berichtet, am Vortag sei sie sogar beschimpft worden, weil die Fahrgäste mit Bussen fahren mussten und ihre Anschlusszüge nicht erreichten.

Ermittler sind ein Stück weiter

Die Menschen in den HEX-Zügen

Gegen den 41-jährigen Lokführer des Güterzuges wird nun von der Staatsanwaltschaft Magdeburg unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.

mcp/DPA / DPA
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