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Flugsicherheit in Indonesien: Die Todesangst fliegt ständig mit

Fluggäste in Indonesien leben gefährlich. Fünf abgestürzte Linien-Maschinen in nicht einmal drei Monaten, ein trauriger Rekord. Eine Alternative zum Flugzeug haben Reisende im Riesenreich jedoch nicht.

Von Jan-Arwed Richter

Der Absturz der Boeing 737 auf Java am Mittwoch markiert den vorläufigen Schlusspunkt einer Kette von Flugunfällen in Indonesien. Fünf Airliner gingen in den vergangenen zehn Wochen bei Unfällen verloren, dabei verloren insgesamt über 120 Menschen ihr Leben.

Ein trauriger Rekord. Nach den Daten des Hamburger Flugunfallbüros "Jacdec" sterben in der Inselrepublik jedes Jahr durchschnittlich 53 Menschen im Inlands-Luftverkehr. Zum Vergleich: In Deutschland sind es im gleichen Zeitraum fünf Tote. Jacdec trägt seit 17 Jahren Informationen über Flugzeugunglücke in einer Datenbank zusammen.

Vor allem auf Inlandsflügen leben Reisende gefährlich. Sämtliche Unglücke geschahen auf Strecken innerhalb des Landes. Doch zum Verkehrsmittel Flugzeug gibt in dem riesigen Inselreich, dessen Ost-West Ausdehnung der Strecke von London nach Teheran entspricht, keine Alternative.

Airline-Gründungsboom

Bis vor wenigen Jahren dominierte die staatliche Fluglinie Garuda die Inlandstrecken. Dann deregulierte Jakarta den Flugverkehr. Es kam zu einem wahren Airline-Gründungsboom. Kaum eine der neunen Linie hat mehr als zehn Maschinen, meist gekauft aus zweiter oder gar dritter Hand.

Die Newcomer verzeichneten in den vergangenen Jahren immer wieder schwere Unfälle. Statt wirkungsvoller Eingriffe in die Flugsicherheit begnügten sich die Aufsichtsbehörden in der Regel mit oberflächlichen Maßnahmen. So wurde vor einer Woche festgelegt, dass neu in Land importierte Flugzeuge nicht älter als zehn Jahre sein dürfen. Dies gilt aber nicht für bereits beschaffte Maschinen, die allesamt ein Durchschnittsalter von 15 und mehr Jahren aufweisen, so Branchenkenner.

Indonesien leidet unter Korruption

Doch das aktuelle Unglück der staatlichen Garuda, dass nicht allein die privaten Airlines ein Sicherheitsdefizit haben. Indonesien leidet sehr unter der Korruption, die auch vor der Luftfahrt des Landes nicht halt macht. Betriebszertifikate, Pilotenlizenzen und Frachtpapiere lassen sich, so berichten es anonym viele einheimische Piloten, auf dem "kurzen Dienstweg" gegen Handgeld erneuern.