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Vulkanausbruch in der Antike Forscher: Vesuv-Eruption war vergleichbar mit Hiroshima-Bombe

Pompeji: Archäologen finden rund 2000 Jahre alte Todesopfer von Vulkanausbruch
Die Überreste zweier Männer in einer Villa am Fuße der Stadt Pompeji (Archivbild)
© Luigi Spina/Parco Archeologico di Pompei / DPA
Der Ausbruch des Vesuv 79 nach Christus gilt als eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Antike. Ein Archäologe hat nun Überreste verstorbener untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Die Auswirkungen der Eruption waren ähnlich wie die einer Atombombe.

Der Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 nach Christus gilt als eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Antike. Zahlreiche Aufzeichnungen zeugen von der großen Zerstörung. Wie viele Menschen starben, ist nicht genau geklärt. Laut einigen altertümlichen Berichten habe die Eruption dazu geführt, dass bei Menschen in der Nähe des Vulkans das Blut in den Adern zu kochen begann. Doch entsprechen diese Beschreibungen wirklich der Realität? Oder sind sie Ausdruck der Fassungslosigkeit damaliger Autoren, ob der großen Verwüstung? 

Der Archäologe Domenico Camardo vom Herculaneum Conservation Project ist der Frage des Ausmaß des Vulkanausbruchs nachgegangen. Er untersuchte die Überreste zahlreicher Opfer der Katastrophe aus der antiken Stadt Herculaneum, nahe Pompeji. Er kommt zu einem beeindruckenden Ergebnis, wie "The Guardian" berichtet.

"Überreste ähnlich wie in Hiroshima"

"Die Überreste der Opfer wurden hier in einem ähnlichen Zustand wie in Hiroshima gefunden", so der Forscher. Er bezieht sich dabei auf den Atombomben-Angriff der USA auf die japanische Stadt während des Zweiten Weltkriegs, bei dem allein durch die Detonation der Bombe etwa 70.000 Menschen starben.

Die Hitze der vom Vesuv erzeugten pyroklastische Flut, also der Glutlawine aus Aschepartikeln und heißen Gasen, habe wohl eine Temperatur von 400 bis 500 Grad Celsius aufgewiesen. Demnach habe das Blut und die Gehirne der Opfer wohl tatsächlich zu kochen begonnen. "Man bekommt wirklich eine Ahnung über den Horror dieser Tragödie", so Camardo während einer Pressekonferenz zur Vorstellung eines teilweise verstümmelten Vesuv-Opfers, das bei Ausgrabungen gefunden wurde.

Wie die Forscher mitteilten, gehen sie davon aus, dass der Mann etwa 40 bis 45 Jahre alt gewesen ist und während des Vulkanausbruchs ums Leben kam – nur wenige Schritte vom Meer entfernt, in das er vor der Glut fliehen wollte.

Der Mann hatte eine kleine Ledertasche bei sich, in der sich ein Holzkästchen befand, aus dem ein Ring, aus Eisen oder Bronze, herausragt. 

Antike Imbissbude in Pompeji

"Der Mann wollte wahrscheinlich mit seinen Schätzen fliehen", erklärte Nunzia Laino, eine Restauratorin, die zu dem Team gehört, das die Überreste analysiert hat. Sowohl diese menschlichen Überreste als auch weitere Gegenstände seien sehr komplex zu analysieren, da vorher unter anderem Stoffreste extrahiert werden müssten, so Laino weiter. 

Temperaturen über 400 Grad verbrannten alle Lebensformen

Ihr Kollege Carmado erklärte, dass Herculaneum anders von dem Ausbruch des Vesuv getroffen wurde, als die deutlich bekanntere Stadt Pompeji: "Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Städten ist, Pompeji wurde durch einen Regen aus Asche und Glut zerstört, der die Stadt drei oder vier Meter tief begrub. Herculaneum wurde durch die pyroklastische Wolke mit Temperaturen von über 400 Grad Celsius zerstört, die Bäume, Bewohner und alle weiteren Lebensformen verbrannte."

Herculaneum, das Anfang des 18. Jahrhunderts bei der Ausgrabung eines Brunnens wiederentdeckt wurde, soll wohlhabender gewesen sein als Pompeji, da dort prächtige, mit Fresken und Mosaikböden verzierte Villen ausgegraben werden konnten. 

Die Ausgrabungen waren besonders schwierig, da die Stätte unter der gleichnamigen heutigen Stadt liegt. Zu den weiteren Funden gehören organisches Obst und Brot sowie Holzmöbel und antike Schriftrollen, die durch Hitze und Asche verkohlt wurden.

Die Forscher erwarten, dass in Zukunft noch mehr Opfer des Vesuv-Ausbruchs gefunden werden. Ein Teil der Ausgrabungsstätte soll der Öffentlichkeit 2024 zugänglich gemacht werden.

Quelle: The GuardianSWR WissenDeutschlandfunk

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