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Frachter-Havarie im Rhein: Gerbsäure aus Container ausgelaufen

Nach der Frachter-Havarie ist der letzte Gefahrgut-Container aus dem Rhein geborgen worden. Dabei stellte sich heraus, dass ein Großteil der enthaltenen Gerbsäure ausgetreten ist. Durch die Sperrung stauen sich inzwischen 400 Schiffe.

Drei Tage nach der Havarie des Frachters "Excelsior" haben die Bergungsschiffe am Mittwochabend den letzten Gefahrgut-Container aus dem Rhein geborgen. Dabei habe sich herausgestellt, dass viele der darin enthaltenen Fässer mit Gerbsäure beschädigt gewesen seien und ein beträchtlicher Teil der Flüssigkeit ausgetreten sei, sagte Polizeisprecher Ramon van der Maat. Allerdings sei das Gerbmittel nur gering wassergefährdend. Noch am Nachmittag hatten die Behörden in Köln mitgeteilt, dass aus keinem der Behälter bislang Chemikalien ausgetreten seien.

Am Sonntag waren bei der Havarie 32 Container in den Fluss gestürzt. Bis zum Mittwochnachmittag hatten die vier Bergungsschiffe 11 der Transportbehälter gehoben. "Bisher läuft die Bergung sehr gut", sagte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Köln, Markus Lehmacher. Am Abend hatten die Mannschaften dann den letzten von drei Gefahrgutcontainern am Haken, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Zunächst bestand die Gefahr, dass der Behälter auseinander bricht und die Fässer in den Rhein fallen. Als der Container geborgen und auf einem Ponton abgelegt war, stellte sich jedoch heraus, dass die Fässer mit Gerbsäure ohnehin schon zu einem großen Teil ausgelaufen waren. Die Folgen für die Umwelt waren zunächst unklar. Auch stand nicht fest, wann das Mittel ausgelaufen ist.

Stau von 400 Schiffen

An der unpassierbaren Unglücksstelle stauten sich mittlerweile rund 400 Schiffe. Die wichtigste europäische Wasserstraße werde voraussichtlich noch bis Freitag für den Schiffsverkehr gesperrt bleiben, betonte das WSA. Ein Tankcontainer mit Kraftstoffzusatz war bereits Sonntagnacht geborgen worden. Dabei waren etwa 100 Liter der Flüssigkeit in den Fluss gelaufen. Am Mittwoch waren vier Spezialschiffe aus Wesel, Mühlheim, Duisburg und Bingen auf dem gesperrten Rhein-Stück im Einsatz. Am Donnerstag soll ein weiteres Schiff aus Mannheim die Bergung der Container unterstützen. Mit Hilfe von Taucherschilden und einer Taucherglocke befestigten Taucher in der starken Rheinströmung Seile an den Containern, so dass die Bergungsschiffe die Behälter aus dem Wasser heben können.

Gutachten soll Unfallursache klären

Die Ursache des Unfalls war auch drei Tage nach der Havarie nach Angaben der Staatsanwaltschaft Duisburg noch nicht geklärt. Am Rumpf des Schiffes befinde sich ein Riss. Ein Gutachten solle nun klären, ob dieser auch die Unfallursache sei, erklärte Staatsanwalt Detlef Nowotsch. Der Kapitän der "Excelsior" hat nach Angaben der Wasserschutzpolizei noch nicht zu dem Unfall ausgesagt. Eine Überladung des Frachters und eine Beeinträchtigung des Fahrers durch Alkohol hatten die Beamten aber ausgeschlossen. Trotz der mehrtägigen Sperrung rechnet der Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg aber nicht mit Versorgungsengpässen bei den Kunden der Binnenschiffer. Kein Hochofen müsse stillstehen, und auch die Produktion in den Chemiestandorten könne weiterlaufen, auch wenn ihr Nachschub kurzzeitig feststecke, betonte der Geschäftsführer des Verbandes, Jens Schwanen.

Julia Kuckelkorn/AP / AP
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