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4. Dezember 1872 Geisterschiff "Mary Celeste" – eine Crew verschwindet für immer ohne jede Spur

Ein buntes Gemälde eines Segelschiffs
So sah ein Künstler die Szene, die sich am 4. Dezember 1872 einem passierenden Handelsschiff bot: Die "Mary Celeste" treibt auf See, an Bord ist keine Menschenseele
© Mary Evans Picture Library / Picture Alliance
Was geschah an Bord der "Mary Celeste"? Im Herbst 1872 verschwand die komplette Besatzung des amerikanischen Frachters – und hinterließ ein großes Rätsel.

Es ist der 4. Dezember 1872 – heute vor genau 149 Jahren. Etwa 1000 Kilometer westlich von Portugal ist das Handelsschiff "Dei Gratia" unterwegs auf seinem Kurs von Nordamerika über den Atlantik in Richtung der Straße von Gibraltar und weiter zum Mittelmeer. Da fällt einem Steuermann ein anderes Schiff auf.

Doch mit jenem Segler scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Zwar sieht das Schiff seetüchtig aus, scheint aber ziellos zu treiben und vom Kurs abgekommen zu sein. Offenbar ist es führerlos.

Vorsichtig beobachtet die Mannschaft der "Dei Gratia" um Kapitän David Morehouse jenes Schiff. Morehouse fällt auf, dass er es kennt: Es ist die "Mary Celeste", ein zweimastiges Segelschiff, auf der sein Freund Benjamin Briggs das Kommando hat – ein erfahrener und hervorragender Kapitän.

"Mary Celeste" sollte Ethanol von New York nach Genua bringen

Die "Mary Celeste" hatte am 7. November in New York abgelegt, um eine Ladung Rohalkohol zur Anreicherung von Wein nach Genua in Italien zu bringen. Doch warum treibt sie nun mitten im Atlantik ziellos hin und her?

Nach ein paar Stunden entschließt sich Morehouse nachzusehen, was mit der "Mary Celeste" los ist und gibt das Kommando zum Entern. Das Szenario, das seine Leute an Bord entdecken, wird für immer eines der größten Rätsel in der Geschichte der westlichen Seefahrt bleiben. Denn die 31 Meter lange "Mary Celeste" ist menschenleer. Von der Mannschaft des amerikanischen Frachters – es waren außer Kapitän Briggs noch sieben Seeleute – fehlt jede Spur. Mitgereist waren zudem noch Briggs‘ Frau und seine zweijährige Tochter. Wo sind alle diese Menschen hin verschwunden?

An Bord der "Mary Celeste" steht das Wasser etwa einen Meter hoch, wie es überliefert ist. Ein "nasses Durcheinander", heißt es. Das Schiff ist manövrierfähig, aber einiges an Bord ist zerstört. In der Kombüse liegt das Kochgeschirr verstreut herum, ein Ofen ist nicht mehr an seinem Platz und aus seiner Halterung gerissen, es fehlen Navigationsgeräte und einige Schiffspapiere. Alles sieht danach aus, als sei das Schiff hastig verlassen worden.

Fast alles ist an Bord geblieben – aber wo ist die Mannschaft?

Aber warum diese eilige Flucht – und wollte die Mannschaft später vielleicht wieder auf die "Mary Celeste" zurückkehren? Der Proviant jedenfalls ist an Bord geblieben – Verpflegung für sechs Monate. Und auch die Fracht scheint unversehrt, an Bord sind noch immer die rund 1700 Fässer mit Ethanol gelagert.

Niemand weiß, wann die Besatzung die "Mary Celeste" verließ und warum – auch eine gerichtliche Untersuchung wird das wenig später nicht klären können.

Zeitweise wird die Mannschaft der "Dei Gratia" sogar eines Verbrechens verdächtigt. Haben sie die Menschen auf der "Mary Celeste" umgebracht und wollen jetzt auch noch den Bergelohn kassieren? Die Verdächtigungen erweisen sich als haltlos, die Männer der "Dei Gratia" werden nach einem Verfahren freigesprochen, auch ein Bergelohn wird ausgezahlt.

Viel wurde in der Presse damals spekuliert, was es mit dem Geisterschiff auf sich haben könnte. Waren es Piraten oder Seeungeheuer?

Inzwischen haben Historiker eine Antwort gefunden, die plausibel klingt. Denn man fand damals unter anderem heraus, dass neun der Ethanol-Fässer leer waren. Es kann sein, so die moderne Theorie, dass das Schiff in einen Sturm geriet und einige Fässer mit dem hochkonzentrierten Alkohol leck schlugen. Im Laderaum könnte sich ein explosives Gasgemisch entwickelt haben – eine Alkoholverpuffung könnte die Folge gewesen sein. Dies würde auch das Durcheinander an Bord erklären.

Moderne Theorie zu dem Geisterschiff von 1872

Der Crew bekam es möglicherweise mit der Angst zu tun. Würde vielleicht das ganze Schiff explodieren? Sie flüchteten sich auf das Rettungsboot – aber die Menschen schafften es später nicht mehr, bei der starken Strömung die "Mary Celeste" zu erreichen und starben elendig auf dem kleinen Boot, mit dem sie sich eigentlich in Sicherheit bringen wollen.

Ob diese Theorie stimmt, ist allerdings völlig unklar. Und so bleibt die "Mary Celeste" bis heute das wohl berühmteste Geisterschiff der Welt.

Quellen: Radio Bayern 2, "History.de"

4. Dezember 1872: Geisterschiff "Mary Celeste" – eine Crew verschwindet für immer ohne jede Spur

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