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Containerschiff auf Autopilot: Raketenzerstörer wurde von Geisterschiff gerammt und fast versenkt

Die USS Fitzgerald kollidierte vor einer Woche mit einem Containerschiff. Sieben Matrosen starben. Ein Militärexperte sagt nun, dass niemand auf der Brücke des Handelsschiffs gewesen sei.


Die USS Fitzgerald wurde schwer getroffen.

Die USS Fitzgerald wurde schwer getroffen.

Vor einer Woche stieß das Containerschiff ACX Crystal mit dem hochmodernen Zerstörer USS Fitzgerald zusammen. Das Kampfschiff kostete den Steuerzahler 1,5 Milliarden US-Dollar und zählt zu den modernsten Schiffen der US-Flotte. Und dennoch wurde es von einem beschaulich dahin fahrenden Containerschiff fast versenkt. Unerklärlicherweise kreuzte die Fitzgerald den Kurs des Containerriesen und der rammte den Zerstörer mittschiffs auf Höhe der Brücke. Das Containerschiff hatte danach eine eingedrückte Nase – von Wassereinbrüchen und gefährlichen Beschädigungen ist nichts bekannt. Die Fitzgerald wurde über die Höhe mehrerer Decks auch unter der Wasserlinie aufgerissen. Die Struktur des Schiffes erlaubte es, die Einbruchstellen unter Kontrolle zu behalten– so wurde der Untergang der Fitzgerald verhindert. Der Preis dafür sind sieben tote Matrosen. Als sich die Schotts schlossen, befanden sie sich auf der falschen Seite der Tür.

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Kurs einfach fortgesetzt

Steffan Watkins untersucht Schiffsbewegungen für das Fachmagazin "Janes Intelligence Review". Er hat sich die Manöver der beiden Schiffe angesehen und ist sich sicher, im Moment des Zusammenpralls war die ACX Crystal ein Geisterschiff. "Ich nehme aufgrund der Daten an, dass die ACX Crystal die ganze Zeit über vom Autopiloten gesteuert wurde. Da war niemand auf der Brücke. Und wenn doch jemand dort gewesen sein sollte, wusste diese Person nicht, wie man den Autopilot ausschaltet." 

So erklärt sich auch der "Hit and Run"-Kurs des Containerschiffes – nach der Kollision drehte der Riese nämlich nicht bei. Der Rempler führte nur zu einer kleinen Kursabweichung, aber sofort setzte der Autopilot den Meeresgiganten wieder auf den ursprünglichen Kurs – ganz so, als sei nichts geschehen. "Für mich ist das der Beweis, dass ein Computer das Ruder der Crystal steuerte. Kein Kapitän schüttelt den Zusammenprall mit einem Zerstörer so ab und geht wieder auf seinen Ausgangskurs."

Der Kurs der Crystal - militärische Schiffe übermitteln ihre Koordinaten nicht.

Der Kurs der Crystal - militärische Schiffe übermitteln ihre Koordinaten nicht.

Nach einer halben Stunde übernimmt die Mannschaft

Erst nach einer halben Stunde wurde eine Wende eingeleitet. Die ACX Crystal setzte danach zurück zur Fitzgerald, um Schiffbrüchige aufzunehmen, wenn es nötig sein sollte. Der Experte vermutet, dass die Besatzung zu diesem Zeitpunkt die Kontrolle auf der Brücke übernommen hatte. 

Damit sind aber noch nicht alle Merkwürdigkeiten des Falles aufgeklärt. Reederei des Containerschiffs und Militärs machen gänzlich andere Angaben zum Zeitpunkt der Katastrophe – sie unterscheiden sich um ein Stunde. Kaum vorstellbar, wie so etwas in Zeiten von Computerüberwachung möglich ist. Der ganze Zusammenstoß bleibt weiter ein Rätsel. Auch wenn die Besatzung des Containerschiffes keinen Mann auf der Brücke hatte, kann das bei dem hochmodernen Kriegsschiff nicht passieren. Die Fitzgerald verfügt über ein SPS73-Schifffahrtsradar – es hätte den dicken Brummer Stunden vor dem Aufprall ausmachen müssen. Zur Not hätte auch ein Blick auf einen x-beliebigen Computer gereicht. Ein Handelsschiff meldet seine Position automatisch durch einen Sender weiter – diese Informationen kann jeder auf speziellen Webseiten einsehen. Außerdem herrschte an dem Tag normale Sicht. Die Brücke des Kriegsschiffes ist immer besetzt – es ist absolut unverständlich, warum der agile Zerstörer auf das schwerfällige Containerschiff zuhielt. Es sei denn, der Kommandant vertraute darauf, dass andere Schiffe den Vorrang der US-Marine akzeptieren und von allein Platz machen würden. Hinzu kommt, dass ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse im hohen Maße manövrieren kann. Im Prinzip also gut hätte ausweichen können. Unbekannt ist derzeit aber, ob eventuell kleinere Fischerboote in der Gegend keinen Raum für Ausweichmanöver gelassen hätten. Umgekehrt macht es der kleine Radarschatten des Zerstörers leicht möglich, dass die Fitzgerald vom Containerschiff nur schwer erfasst werden konnte. Daher ist es möglich, dass der Autopilot den Zerstörer nur sehr spät bemerkte.

Schlimmeres Unglück wäre möglich

Dennoch hatte die USS Fitzgerald noch Glück im Unglück. Obwohl sich die Nase des Containerschiffes tief in den Rumpf des Zerstörers bohrte, verhakten sich die Schiffe nicht. Die Fitzgerald muss nach dem Zusammenstoß an dem Containerschiff entlang geglitten sein. Bei einem anderen Aufprallwinkel hätte die Gefahr bestanden, dass die Crystal den Zerstörer unter sich begraben hätte.