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Streit um Schadenersatz Jura-Professor macht Germanwings-Absturz zur Uni-Aufgabe


Hinterbliebene der Germanwings-Opfer streiten derzeit mit dem Mutterkonzern Lufthansa um Schmerzensgeld. Ein Berliner Professor hat aus dem Fall für seine Studenten eine Hausarbeit konstruiert.

Nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten hat ein Berliner Jura-Professor mögliche Schadenersatz- und Schmerzensgeld-Ansprüche von Angehörigen der Opfer zum Thema einer Hausarbeit gemacht. "Es handelt sich um einen aktuellen Fall, der die Öffentlichkeit beschäftigt. Dabei herrscht eine große Unsicherheit darüber, welche Ansprüche den Hinterbliebenen zustehen", erklärte Professor Gerald Wagner von der Berliner Humboldt-Universität (HU). Kritik daran könne er nicht nachvollziehen. 

Internetnutzer hatten die Arbeit als "geschmacklos" bezeichnet.Andere dagegen verteidigten den Professor.

Streit um Schadenersatz: Jura-Professor macht Germanwings-Absturz zur Uni-Aufgabe
© Facebook
Streit um Schadenersatz: Jura-Professor macht Germanwings-Absturz zur Uni-Aufgabe
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Es sei üblich, Studenten in Hausarbeiten mit aktuellen Fällen zu konfrontieren, die einen realen Hintergrund hätten, rechtfertigt sich Wagner selbst. Seine Studenten hätten sich kaum beschwert. "Von über 400 Teilnehmern haben sich fünf an einer Twitter-Konversation beteiligt und einige davon haben sich negativ geäußert." Einen Anlass, die Aufgabenstellung zu modifizieren, sieht der Professor deshalb nicht. 

Die Hausarbeit solle die rechtliche Situation klären, so Wagner. Es sei natürlich wichtig, die Gefühle der Betroffenen nicht zu verletzen, dies sei jedoch bei dieser Aufgabenstellung nicht der Fall. "Der Sachverhalt der Hausarbeit tut dies nicht, sondern nennt lediglich Fakten, die der Öffentlichkeit aus den Medien bekannt sind", zitiert die Berliner Morgenpost den Professor

Opfer-Anwalt findet Thema nicht geschmacklos

Auch Rechtsanwalt Elmar Giemulla, der mehr als 30 Familien von Opfern der Katastrophe vertritt, regt die Hausarbeit nicht besonders auf: "Geschmacklos finde ich die Fragestellung nicht, aber unnötig“, erklärte Giemulla gegenüber der Berliner Morgenpost.

"Wir stehen alle noch im unmittelbaren Eindruck der Katastrophe. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Ich frage mich, warum der Dozent diese Aufgabenstellung gewählt hat. Wenn er durch die Popularität des Falles die Aufgabe attraktiver machen wollte, finde ich das grenzwertig." Er persönlich hätte diese Frage als Professor nicht gestellt, so der Anwalt.

Hinterblieben streiten mit Lufthansa

Der Germanwings-Airbus mit der Flugnummer 4U9525 war am 24. März in den Alpen abgestürzt. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Copilot die Maschine absichtlich gegen einen Berg geflogen.

Hinterbliebene der Opfer streiten derzeit mit der Germanwings-Mutter Lufthansa um Schmerzensgeld. Eine Entschädigungszahlung mit pauschal 25.000 Euro lehnte Rechtsanwalt Giemulla als zu niedrig ab. Er fordert mindestens 100.000 Euro für jedes Opfer. Auch das Angebot der Lufthansa, nächsten Angehörigen wie Eltern, Kindern oder Lebenspartnern ohne weitere Prüfung jeweils ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zu zahlen, bezeichnete der Anwalt als unangemessen. Der Betrag müsse "im unteren sechsstelligen Bereich liegen“. Deutschlands größte Fluggesellschaft hatte bereits 50.000 Euro pro Opfer an die Angehörigen gezahlt. 

mad DPA

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