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Corona-Ausbruch in Hochhaus: Schuld an Masseninfektion? Göttinger Großfamilie wehrt sich mit Statement gegen Vorwüfe

Für den massenhaften Corona-Ausbruch in einem Hochhauskomplex macht die Stadt Göttingen mehrere Großfamilien verantwortlich. Eine der beschuldigten Familien wehrt sich nun mit einer Gegendarstellung gegen die Vorwürfe.

Virologe Schmidt-Chanasit: "Diesen Impfstoff wird es nicht geben und schon gar nicht nächstes Jahr."

Nachdem sich in einem Göttinger Hochhauskomplex mindestens 120 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben, hat sich eine der für die Masseninfektion verantwortlich gemachten Großfamilien per Gegendarstellung zu den Vorwürfen geäußert und ihrerseits der Stadt Göttingen sowie einer nicht genannten Zeitung Verfehlungen vorgeworfen. 

"Mit großem Befremden" habe man die "einseitige, unkorrekte und unvollständige Berichterstattung" zur Kenntnis genommen, heißt es zu Beginn des Statements, das am Freitag zunächst von von einer Göttinger Beratungsstelle auf Facebook veröffentlicht worden war und später von weiteren Accounts weiterverbreitet wurde. In dem Schreiben bezieht die anonym bleibende Familie im weiteren Verlauf Stellung zu den Vorwürfen, wonach Feierlichkeiten im Zuge des Zuckerfestes zu den zahlreichen Covid-19-Fällen geführt hätten. 

"Eine Feierlichkeit, wie von Ihnen propagiert, fand nicht statt" 

Demnach habe es – und damit anders als von der Stadt Göttingen dargestellt – eine Zusammenkunft mehrerer Personen nur anlässlich des Gebets in der Moschee gegeben. Bei der vom Gesundheitsamt genehmigten Veranstaltung seien "sämtliche Abstands- und Hygieneregeln eingehalten" worden, heißt es. Und weiter: "Eine Feierlichkeit, wie von Ihnen (gemeint ist die nicht genannte Zeitung, Anm. d. Red.) propagiert, fand nicht statt."

Auch dementiert die Familie, dass eines ihrer Mitglieder das Virus als erstes verbreitet habe. Der "wahrscheinliche Patient 'Null'" gehöre nicht zur Familie, sondern sei vielmehr ein anderer Bewohner des Wohnkomplexes, über dessen Quarantäneverletzungen man das "zuständige Amt im Vorfeld mehrfach telefonisch (...) in Kenntnis gesetzt (habe)". Das Nicht-Einhalten dieser Regeln durch andere Personen "sollte nicht uns angelastet werden", fordert die Familie, die den Covid-19-Ausbruch auf häusliche Kontakte, konkret Aerosole im Hausflur, zurückführt. 

Tatsächlich wurde Ende Mai ein männlicher Bewohner des Iduna-Zentrums von der Polizei abgeführt, weil er mehrfach gegen Quarantänemaßnahmen verstoßen hatte. Laut Informationen von "t-online" soll der Mann nicht zu den beschuldigten Familien gehören.

Auch wehrt sich die Familie gegen Berichte, wonach einige Mitglieder nicht zu den angeordneten Corona-Test erschienen seien. "Tatsache ist, dass mehrere Familienmitglieder von Teststationen weggeschickt wurden, mit dem Hinweis, dass sie symptomfrei seien", wird in dem Schreiben behauptet. Sowohl die Stadt Göttingen wie auch das zuständige Gesundheitsamt waren am Samstag für den stern zwecks einer Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Corona-Ausbruch Göttingen: Großfamilie veröffentlicht Gegendarstellung

Aufnahme des Iduna-Zentrums in Göttingen, wo sich etliche Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt haben

DPA

Göttingen führt dreitägigen Massentest durch

Göttingen hatte am Freitag mit einem bis einschließlich Sonntag geplanten Massentest in dem Hochhauskomplex begonnen, der als Schwerpunkt des Corona-Ausbruchs in der Stadt gilt. Daran hätten sich am ersten Tag knapp 220 Bewohner beteiligt. Die Menschen seien sehr kooperativ gewesen, sagte ein Verwaltungssprecher. Nennenswerte Zwischenfälle gab es nach Angaben der Polizei nicht. Die Beamten waren vor Ort, weil die Verwaltung angekündigt hatte, die verbindliche Teilnahme an dem Test zur Not mit Hilfe der Polizei durchzusetzen.

In dem Wohnkomplex sind nach Angaben der Stadt rund 600 Menschen gemeldet. Die Behörden vermuten allerdings, dass dort noch sehr viel mehr Personen leben. Wie sichergestellt werden kann, dass auch die nicht gemeldeten Bewohner zum Test erscheinen, blieb offen. 

Quellen: Gegendarstellung auf Facebook / "t-online.de" 

mod / mit DPA

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