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Havarie der "Costa Concordia": Taucher bergen zwei Frauenleichen

Die Zahl der Todesopfer des "Costa Concordia"-Unglücks wächst: Taucher haben zwei Frauenleichen im Wrack des Kreuzfahrtschiffes entdeckt. Damit wurden bislang 15 Tote geborgen. Die Behörden gaben derweil grünes Licht für das Abpumpen des Treibstoffs.

Taucher haben zwei weitere Leichen im Inneren des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" gefunden. Bei den Toten handele es sich um Frauen, teilten die Bergungsmannschaften am Montag auf der Insel Giglio mit. Damit sind insgesamt 15 Leichen geborgen, acht davon wurden identifiziert: ein Deutscher, vier Franzosen - darunter ein Ehepaar - und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn. Rund 20 Menschen werden noch vermisst.

Die beiden Frauen seien auf Deck 4 des havarierten Schiffes in der Nähe des Internet-Cafés entdeckt worden, erklärte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli. Die Rettungstaucher werden sich nach Angaben der Feuerwehr bei der Suche weiter auf das Deck konzentrieren. Die Einsatzkräfte hatten zuvor ein neues Loch in das Wrack gesprengt, um durch die Lücke zwischen den Decks vier und fünf Zugang zum Restaurantbereich zu erhalten, wo noch Opfer der Katastrophe vermutet wurden.

Es wird zudem angenommen, dass mehrere blinde Passagiere an Bord gewesen sein könnten. Zu viele Unbefugte habe es in der kritischen Zeit auf der Kommandobrücke gegeben, zitierten italienische Zeitungen aus den Verhörprotokollen der Offiziere. "Der Kapitän wurde von dem Gerede abgelenkt", soll die Offizierin Silvia Coronika den Ermittlern gesagt haben. Die Personen seien mit dem Kapitän auf die Brücke gekommen und hätten dann beim Manövrieren "gestört".

Abpumpen des Treibstoffs wird vorbereitet

Derweil haben die italienischen Verantwortlichen grünes Licht für das Abpumpen der rund 2300 Tonnen Treibstoff gegeben, die die Unterwasserwelt bedrohen. Nach eingehenden Untersuchungen stehe dem nichts mehr im Weg, sagte Gabrielli. Die niederländische Firma Smit wird am Dienstagmorgen mit den Vorbereitungen am Schiff anfangen. In dieser Woche dürfte das Abpumpen beginnen, sagte ein Verantwortlicher.

Gabrielli erklärte, der vor knapp eineinhalb Wochen gekenterte Luxusliner sei stabil. "Die Gefahr besteht nicht mehr, dass er absinkt." Dies hätten umfangreiche Messungen in den vergangenen Tagen ergeben. Zuletzt waren durch minimale Bewegungen der "Concordia" die Suche nach Vermissten teilweise unterbrochen und der Start der Öl-Bergungsarbeiten verhindert worden.

Bahn lässt Schiffbrüchige stehen

Zwei Überlebende des Schiffsunglücks stießen unterdessen während ihrer Heimreise auf weitere Probleme: Mitarbeiter der Bahn verwehrten ihnen in Frankfurt die Fahrt mit dem ICE - weil sie kein Geld für ein Ticket dabei hatten. Das Ehepaar war nach dem Schiffsunglück vor der toskanischen Küste mit einem Reisebus von Italien aus zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens gebracht worden. Von dort aus wollte es mit dem ICE nach Hause fahren.

Der Vorstand habe sich inzwischen bei dem 70 Jahre alten Mann und seiner 66-jährigen Frau aus dem Westerwald für die Panne am Sonntag entschuldigt, teilte ein Sprecher des Unternehmens am Montag mit. Statt der Bundespolizei am Fernbahnhof des Flughafens die Notlage zu schildern, hätten die beiden mit dem Zugpersonal verhandelt, das für solche Situationen nicht ausgebildet sei.

Gleichzeitig machte der Sprecher den Reiseveranstalter für die missglückte Heimreise der beiden verantwortlich. "Generell muss der Reiseveranstalter sicherstellen, dass seine Gäste in einem solchen Fall nach Hause kommen", sagte der Bahnsprecher.

mad/DPA/AFP / DPA