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Havariertes AKW: Abschaltung von Fukushima verzögert sich

Die Abschaltung des havarierten japanischen Atomkraftwerkes Fukushima kann sich nach Einschätzung des Betreibers Tepco noch bis ins kommende Jahr hinziehen. Unterdessen geht erstmals nach der Erdbeben-Katastrophe ein Reaktor wieder mit voller Leistung ans Netz.

Das havarierte japanische AKW Fukushima könnte auch im kommenden Jahr noch nicht unter Kontrolle gebracht sein. Die sogenannte kalte Abschaltung drohe sich zu verzögern, teilte der Betreiber Tokyo Electric Power Co mit. Die Dekontaminierung des hochgradig radioaktiven Wassers in der Anlage dauere länger als ursprünglich angenommen, räumte Tepco ein. Daher sei die eigentlich bis Ende des Jahres anvisierte Stabilisierung des AKW möglicherweise nicht zu schaffen. Grund dafür seien wiederholte Ausfälle der Instrumente zur Absorption des radioaktiven Cäsiums.

Dennoch werde an dem Ziel eines "Cold Shutdown" bis zum Jahresende festgehalten, erklärte Tepco. Dieser Zustand ist erreicht, wenn die Wassertemperatur in dem Reaktor bei normalem Luftdruck permanent unter 100 Grad Celsius sinkt.

Reaktor in Tomari nimmt vollen Betrieb auf

Erstmals nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Regierung des Landes die Wiederaufnahme des wirtschaftlichen Betriebs eines Atomreaktors genehmigt. Reaktor 3 der Atomanlage Tomari auf der Nordinsel Hokkaido nahm wieder den vollen Betrieb auf, nachdem die Behörden dafür grünes Licht gegeben hatten, wie der Betreiber Hokkaido Electric Power (Hepco) mitteilte. Der Reaktor war indes in den vergangen Monaten bereits gelaufen, offiziell allerdings nur für Tests. Er war von Januar an einer regulären Inspektion unterzogen und am 7. März wieder hochgefahren worden - vier Tage vor dem Erdbeben und dem Tsunami, welche die Katastrophe von Fukushima auslösten. Seit der Katastrophe vom 11. März sind fast drei Viertel aller 54 japanischen Atomreaktoren nicht in Betrieb, die meisten von ihnen für Sicherheitschecks oder zur Wartung. Eine wachsende Zahl Japaner ist dagegen, die Anlagen wieder ans Netz zu nehmen, insbesondere in Gemeinden in der Umgebung der Anlagen.

Gouverneurin hatte "keine Einwände"

Die Gouverneurin von Hokkaido, Harumi Takahashi, hatte nach Gesprächen mit Vertretern von vier Gemeinden in der Umgebung der Atomanlage erklärt, sie habe "keine Einwände" gegen eine Genehmigung der Rückkehr des Reaktors 3 von Tomari zum vollen wirtschaftlichen Betrieb. Daraufhin erließ das zuständige Wirtschaftsministerium ein entsprechendes Zertifikat. Die Behörden hatten vergangene Woche erklärt, dass der Reaktor alle Sicherheitstests bestanden habe. Regierungschef Naoto Kan hat sich für einen langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Das Wirtschaftsministerium will die Reaktoren aber wieder ans Netz nehmen, um Engpässe bei der Stromversorgung zu vermeiden. Vor der Katastrophe vom 11. März stammte rund ein Drittel des japanischen Stroms aus der Atomkraft.

Das rund 240 Kilometer nördlich von Tokio gelegene AKW Fukushima war im März durch ein schweres Erdbeben und einen dadurch ausgelösten Tsunami schwer beschädigt worden. Das verursachte die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986.

tkr/AFP/DPA / DPA