HOME

Nach Fukushima: Japan läutet Atomausstieg ein

Vier Monate nach der Atomkatastrophe von Fukushima will Japan raus aus der Atomenergie. Man wolle in Etappen aussteigen, heißt es aus Tokio. Einen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht.

Bürgerproteste nach dem Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima im März haben wohl zu einem Umdenken in der japanischen Regierung geführt. Anstatt den Anteil der Atomenergie auf mehr als 50 Prozent auszuweiten, plant die Regierung nun den schrittweisen Ausstieg. Premierminister Naoto Kan kündigte am Mittwochabend an, Japan wolle in "Etappen" aus der Atomkraft aussteigen, gab aber keinen genauen Zeitplan an. Sein Land werde "eine zukünftige Gesellschaft ohne Kernkraftwerke schaffen", sagte Kan auf einer Pressekonferenz. Japan solle an einer Gesellschaft arbeiten, die nicht von der Atomkraft abhängig sei, forderte der Premier.

Der Plan bedeutet eine Abkehr von der früheren Regierungslinie. Die Atomenergie ist derzeit noch der zentrale Pfeiler der Energieversorgung in Japan. Vor der Fukushima-Katastrophe wollte das Land den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung bis 2030 von rund 30 Prozent auf 50 Prozent erhöhen. Derzeit sind nur 19 der landesweit 54 Reaktoren in Betrieb.

Am Mittwoch erläuterte Kan, die von einem Erdbeben und einem Tsunami ausgelöste Katastrophe in Fukushima habe ihm erst die großen Risiken der Atomkraft bewusst gemacht. Zehntausende Bewohner mussten ihre Häuser verlassen, die Behörden ordneten ein Sperrgebiet im Umkreis von 20 Kilometern um den zerstörten Meiler an.

Nach dem Erdbeben versagten die Kühlsysteme im Katastrophenmeiler. Aufgrund einer teilweisen Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren gelangten große Mengen an radioaktiven Substanzen in die Umwelt.

Die Regierung ordnete letzte Woche sogenannte Stresstests für Atomkraftwerke an, um die besorgte japanische Bevölkerung zu beruhigen. Um drohende Stromengpässe zu vermeiden, drängt die Regierung darauf, zur Inspektion heruntergefahrene Atomkraftwerke noch im Sommer wieder in Betrieb zu nehmen. Dies stieß in der Bevölkerung auf Kritik.

DPA/AFP / DPA