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"Hexenhut-Prozess" Gemobbt, belästigt und unterbezahlt: Mitarbeiterin ringt Großbank BNP Paribas vor Gericht nieder

Eine Filiale von BNP Paribas in London
Eine Filiale von BNP Paribas in London
© Philip Toscano / Picture Alliance
Sexistische Sprüche, unfaire Bezahlung, öffentliches Mobbing: Stacey Macken musste bei BNP Paribas einiges aushalten. Sie zog also vor Gericht - und gewann. Es ist ein Sieg über ihren Arbeitgeber, über Sexismus und Ungerechtigkeit.

Jahrelang hatte sich Stacey Macken über die schlechte Bezahlung durch ihren Arbeitgeber geärgert. Hatte Kränkungen ertragen und Mobbing erduldet. Man bügelte sie in Meetings ab und legte ihr einen Hexenhut auf den Schreibtisch. Da beschloss Macken, dass es jetzt genug sei.

Sie zog gegen ihren Arbeitgeber, die französische Großbank BNP Paribas vor Gericht – und gewann. Der Richter fand in seiner Urteilsbegründung scharfe Worte für das Unternehmen.

Ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit

Doch von vorn: Anfang 2013 wurde Macken im Londoner Büro der Bank angestellt. Ihr Jahresgehalt sollte den Gerichtsunterlagen zufolge 120.000 Pfund betragen. Kurz darauf, im Oktober, stellte BNP Paribas einen Kollegen ein, der nachgewiesenermaßen über dieselbe Qualifikation verfügte und dasselbe Aufgabengebiet hatte. Sein Verdienst: 160.000 Pfund. 

Doch nicht nur das: Besagter Kollege strich in den folgenden Monaten wiederholt hohe Bonuszahlungen für besonders gute Leistungen ein, wie den Gerichtsdokumenten zu entnehmen ist. Macken dagegen musste immer wieder dafür kämpfen, überhaupt einen Bonus zu bekommen. Insgesamt erhielt der Kollege nach Angaben der britischen Zeitung "Guardian" über fünf Jahre hinweg Boni in Höhe von 237.000 Pfund. Macken kam dem Bericht zufolge im gleichen Zeitraum auf 33.000 Pfund.

Der eklatante Unterschied wurde von Mackens Vorgesetzten unter anderem so begründet: Sie sei "unfähig, konstruktives Feedback anzunehmen" und würde die Schuld immer anderen geben. Macken stritt beides vehement ab. 

Sexistische Sprüche und machohafte Stimmung

Darüber hinaus wurde die Brokerin während ihrer Zeit bei BNP Paribas offenbar übel gemobbt. So soll sie von einem Vorgesetzten in Meetings regelmäßig mit dem Satz "Jetzt nicht, Stacey" abgewürgt worden sein. Der Satz fiel so oft, dass er irgendwann zum "Running Gag" in der Firma wurde. Mehrere Kollegen sollen ihn übernommen und Macken damit diverse Male an unpassenden Stellen diskreditiert haben. 

Generell war die Stimmung in der Londoner Niederlassung wohl oft grenzwertig und sexistisch. So soll ein Kollege wiederholt in aller Öffentlichkeit mit seinen Sex-Abenteuern geprahlt haben und Frauen am Telefon mit "Hey Sexy" und "Hey Fuckface" angesprochen haben. Eine andere Kollegin soll sich wiederholt über die machohafte Stimmung in der Firma beklagt haben.

Hexenhut auf dem Schreibtisch

Eine Situation setzte Macken dabei offenbar besonders zu: Nur wenige Monate, nachdem sie bei der Bank angefangen hatte, fand sie eines Morgens einen schwarzen Hexenhut auf ihrem Schreibtisch. Auf Nachfrage berichtete eine Mitarbeiterin, dass am Abend zuvor mehrere angetrunkene Kollegen durch die Räume gestreift seien. Sie steckten womöglich auch hinter der Platzierung des Hutes. Macken sei darüber geschockt gewesen und habe sich an ihrem Arbeitsplatz extrem unwohl gefühlt, berichtete die Kollegin vor Gericht. 

Die Brokerin zog irgendwann die Notbremse und reichte Klage ein gegen BNP Paribas. Sie forderte vier Millionen Pfund Entschädigung aufgrund von ungleicher Bezahlung, Diskriminierung und Belästigung. Drei Jahre lang habe sie vor Gericht gekämpft, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Sieg für Stacey Macken vor Gericht

Der Richter an einem Londoner Arbeitsgericht gab Macken in fast allen Punkten Recht. Er attackierte außerdem mit scharfen Worten ihren Arbeitgeber. So sei etwa der Vorfall mit dem Hexenhut "in einem überwiegend männlichen Arbeitsumfeld ein von Natur aus sexistischer Akt." Das Ganze würde möglicherweise auch Rückschlüsse zulassen auf den Umgang mit Frauen bei BNP Paribas, und die "Art von Arbeitsumgebung", in der Macken sich bewegen musste.

Ob Macken mittlerweile Entschädigungszahlungen von BNP Paribas erhalten habe, sei laut "Guardian" und "Bloomberg" unklar. Die Bank verweigerte bislang einen öffentlichen Kommentar zu dem Fall. Die Frau ist dort immer noch angestellt.

Quellen:"Guardian", "Bloomberg", Gerichtsunterlagen

mik

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