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Nach 66 Jahren: Ärzte schneiden Inder die längsten Fingernägel der Welt ab

Extra angepasste Kleidung, ein spezielles Polster zum Schlafen, Arbeiten mit nur einer Hand: 66 Jahre lang richtete ein Inder sein Leben nach den Fingernägeln an seiner linken Hand. Die inzwischen je zwei Meter langen Exemplare werden nun in einem Museum ausgestellt.

Das Kuriositätenmuseum am New Yorker Times Square ist um eine Attraktion reicher: Seit Mittwoch werden dort fünf von je knapp zwei Meter Länge in einer Vitrine ausgestellt. Sie stammen von dem Inder Shridhar Chillal. 66 Jahre lang ließ er die Nägel an seiner linken Hand wachsen, bevor sie vor wenigen Tagen abgeschnitten wurden.

"Ich habe 66 Jahre lang für meine Fingernägel gelebt", sagte Chillal mit Übersetzungshilfe von seiner Enkelin. "Jetzt bin ich sehr froh, dass alle sie sehen können."

Indischer Fotograf vermisst seine Fingernägel

Shridhar Chillal neben seinen in einer Vitrine ausgestellten Fingernägeln

Der Inder Shridhar Chillal sagt selbst: "Ich habe 66 Jahre lang für meine Fingernägel gelebt".

DPA

Die Fingernägel sind in einer medizinischen Einrichtung abgeschnitten worden. Er sei alt geworden und das Leben mit den langen Nägeln zu umständlich, sagte Chillal. Das Abschneiden sei einerseits eine Befreiung gewesen, andererseits vermisse er seine Nägel aber auch.

Der Inder hatte die Nägel seiner linken Hand seit 1952 nicht mehr abgeschnitten und war deswegen 2014 in das Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen worden. Einmal pro Woche hatte er seine Nägel gesäubert. Zum Schlafen benutzte er ein spezielles Polster, zum Anziehen spezielle Reißverschlüsse am linken Arm. Chillal ist verheiratet, Vater mehrerer Kinder und hat jahrelang - mit seiner rechten Hand - als Fotograf gearbeitet. Die linke Hand ist vom jahrzehntelangen Gewicht der Fingernägel inzwischen verformt.

Auslöser für Chillals Entscheidung, seine Fingernägel wachsen zu lassen, war ein Vorfall auf dem Schulhof. Chillal und seine Freunde tobten, rannten in einen Lehrer und brachen den langen Nagel seines kleinen Fingers ab. Der Lehrer schimpfte. "Ich weiß nicht, ob dieser Lehrer noch lebt. Aber wenn, dann würde ich ihm gerne sagen, dass ich mir das, wofür er mich damals ausgeschimpft hat, zu Herzen genommen habe. Ich habe eine Herausforderung für mich daraus gemacht - und war erfolgreich."

Gesunde Fingernägel
fri / DPA