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Irak: Mehr als hundert Menschen sterben bei Bombenanschlägen

Die blutigste Anschlagsserie seit zwei Jahren erschüttert den Irak: Nördlich von Bagdad stürmen Bewaffnete eine Kaserne. Autobomben explodieren in der Erdölstadt Kirkuk.

Eine blutige Welle der Gewalt hat drei Tage nach Beginn des Fastenmonats Ramadan den Irak erschüttert. Bei Angriffen von Aufständischen und bei Bombenanschlägen wurden am Montag mindestens 107 Menschen getötet, 216 weitere erlitten Verletzungen. Demnach wurden insgesamt 27 Anschläge in 18 Städten verübt. Damit handelt es sich um den blutigsten Tag seit mehr als zwei Jahren.

In der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk explodierten acht Autobomben. Sie töteten mindestens acht Menschen und verletzten weitere 35. Bei Anschlägen am Sonntag waren im Irak insgesamt neun Menschen getötet worden.

Allein 15 irakische Soldaten starben, als Bewaffnete eine Kaserne in der Ortschaft Al Duluija, 80 Kilometer nördlich von Bagdad überfielen. Die Aufständischen beschossen das Militärlager mit Granaten und drangen anschließend darin ein, bestätigten Sicherheitsquellen in der Provinzhauptstadt Tikrit.

In der benachbarten Provinz Dijala starben bei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad, sowie in Chan Bani Saad, 30 Kilometer nördlich von Bagdad, mindestens sechs Menschen. 32 weitere erlitten Verletzungen, berichtete die Polizei in Bakuba.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschlagsserie. Ziel der "durch nichts zu rechtfertigenden Bluttaten ist es, die Stabilisierung und wirtschaftliche Entwicklung" im Irak zu untergraben, erklärte Westerwelle in Berlin. Es dürfe nicht gelingen, die in den vergangenen Monaten erzielten Erfolge bei der Stabilisierung der Sicherheitslage zunichte zu machen.

Der UN-Sondergesandte für den Irak, Martin Kobler, sieht das Land trotz der Anschlagsserie nicht auseinanderfallen. Es gebe allerdings "zentrifugale Tendenzen", und es sei nicht ausgeschlossen, dass sich sunnitische Provinzen nach dem Beispiel Kurdistans für autonom erklärten, sagte Kobler am Montag in Berlin. Die Gewalt im Irak sei im Übrigen gegenüber früher zurückgegangen, auch wenn "jeder Tote einer zuviel" sei.

jar/fro/DPA/AFP / DPA