VG-Wort Pixel

Kalifornien "Soziales Experiment": Milliardär will Studierendenwohnheim fast ohne Fenster bauen

Studierendenwohnheim Munger Hall der Universität von Kalifornien
So soll das Studierendenwohnheim aussehen: 94 Prozent der Räume sollen fensterlos sein
© University of California, Santa Barbara
Mit Hilfe eines Milliardärs will die Universität von Kalifornien ein Wohnheim für 4500 Studierende bauen. Fast alle Räume sollen keine Fenster haben. Kritiker sprechen von einem "sozialen und psychologischen Experiment" mit unabschätzbaren Folgen.

Bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist für Studierende oft schwer – vor allem in den USA, wo sich aufgrund der hohen Studiengebühren viele für ihre Ausbildung verschulden. Deshalb sind sie meist froh, kostengünstig in Wohnheimen unterzukommen. Mit Unterstützung des 97-jährigen Milliardärs Charles Munger will die Universität von Kalifornien, Santa Barbara, nun ein in dieser Form wohl einzigartiges Gebäude hochziehen: die Munger Hall. Sie soll Platz für 4500 Studierende bieten. Der Haken daran: Die meisten der Apartments werden über keine Fenster verfügen.

Munger ist Aktionär der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway und gilt als engster Vertrauter des Milliardärs Warren Buffet. Sein eigenes Vermögen wird auf 2,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Für den Bau des Wohnheims hat er 200 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Allerdings unter einer Bedingung: Der Komplex soll genau nach seinen Vorstellungen errichtet werden. Und diese sorgen nun für Irritationen.

"Unbekannte Auswirkungen auf das Leben der Studierenden"

Die Pläne sehen vor, dass 94 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner in dem elf Stockwerke hohen Gebäude keine Fenster in ihren Zimmern haben sollen, berichtet der "Santa Barbara Independent". Stattdessen sind in den Räume Leuchten geplant, die Tageslicht simulieren sollen. Dennis McFadden, ein Architekt, der die Universität seit vielen Jahren bei Bauprojekten unterstützt, hat deshalb die Zusammenarbeit aufgekündigt. "Als Architekt, Elternteil und Mensch" könne er diese Pläne nicht unterstützen, schrieb McFadden in einem Brief an die Universität, aus dem der "Santa Barbara Independent" zitiert.

Wohnen wie Pu der Bär: Tinyhouse macht Kindheitsträume wahr

McFadden fürchtet um die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner: "Zahlreiche dokumentierte Beweise zeigen, dass Innenräume mit Zugang zu natürlichem Licht, Luft und Blick auf die Natur sowohl das körperliche als auch das geistige Wohlbefinden verbessern", schreibt er. Das Design der Munger Hall folge der Vision eines einzelnen Geldgebers, ohne wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. McFadden sieht darin ein "soziales und psychologisches Experiment mit unbekannten Auswirkungen auf das Leben und die persönliche Entwicklung der Studierenden".

Studierende sollen Zeit in Gemeinschaftsräumen verbringen

Auch dem Mäzen Charles Munger scheint klar zu sein, dass Räume ohne Tageslicht nicht besonders attraktiv wirken. Das ist allerdings Teil des Konzepts: So sollen die Studierenden dazu motiviert werden, sich in den hellen Gemeinschaftsräumen zu versammeln statt sich allein in ihren Apartments zu verkriechen. 

Trotz der Kritik an dem Bauprojekt hält die Universität weiter an den Plänen fest. Der Bau werde wie geplant fortgesetzt, teilte die Uni mit. Kanzler Henry Yang bezeichnete das Design als "inspirierend und revolutionär". Das Wohnheim soll insgesamt 1,5 Milliarden Dollar kosten und 2025 eröffnet werden.

Quellen: "Santa Barbara Independent" / University of California, Santa Barbara 

epp

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker