Katastrophe in Brasilien Boeing mit 155 Menschen abgestürzt


Das in Brasilien vermisste Passagierflugzeug mit 155 Insassen an Bord ist gefunden worden. Rettungsteams haben das Wrack offenbar im Urwald-Bundesstaat Mato Grosso entdeckt. Die Unglücksursache scheint geklärt: Die Boeing 737-800 soll mit einer zweimotorigen Privatmaschine vom Typ Embraer Legacy zusammengestoßen sein.

Ein Passagierflugzeug mit 155 Menschen an Bord ist über dem Dschungel Brasiliens abgestürzt. Rettungsteams entdeckten Wrackteile der Boeing 737-800, die seit Freitagabend vermisst worden war. Wie der Fernsehsender Globo unter Berufung auf die Behörden berichtete, wurden Teile des Flugzeugs in der Nähe der Gemeinde Peixoto de Azevedo im Urwald-Bundesland Mato Grosso gefunden.

Plötzlich vom Radar verschwunden

Die Boeing 737-800 der Billigfluglinie Gol war am Freitagabend gegen 22.00 Uhr MESZ plötzlich von den Radarschirmen verschwunden. Auf dem Flughafen von Brasilia versammelten sich verzweifelte Angehörige und verlangten von den Behörden Aufklärung. Die Suche im dichten Urwald wurde am Samstag nach einer nächtlichen Unterbrechung wieder aufgenommen. Unter den 149 Passagieren war laut Medien auch ein in Brasilia lebender Anthropologe aus Deutschland.

Die Luftwaffe hatte unmittelbar nach dem Verschwinden der Maschine über dem nordbrasilianischen Urwald-Bundesland Parà fünf Flugzeuge auf die Suche geschickt. Am Samstag wurden zwei weitere Maschinen eingesetzt und auch Rettungs- und Ärzteteams entsandt.

Auf dem Weg nach Brasilia

Das Flugzeug war von Manaus im Bundesland Amazonas in die Hauptstadt Brasilia unterwegs. Bauern im Süden des Bundeslandes Parà und im Norden des angrenzenden Landes Mato Grosso berichteten, sie hätten über dem Indioschutzgebiet Xingu eine laute Explosion gehört. Andere meinten am Samstag, sie hätten am Vorabend ein sehr tief fliegendes Fllugzeug gesehen, dass dann verschwunden sei.

Das Flugzeug hätte planmäßig um 18.10 Uhr Ortszeit (23.10 Uhr MESZ) in Brasilia landen sollen. Wegen der Dunkelheit und der besonderen Umstände in der bergigen Urwaldregion war in der Nacht nur eine "komplizierte Suche mit elektronischen Mitteln" möglich. Die Behörden setzten inzwischen drei Städte in der Nähe des möglichen Unfallorts in Alarmbereitschaft. Krankenhäuser müssten sich auf die Aufnahme von vielen Verletzten vorbereiten, hieß es.

Zusammenstoß war zunächst vermutet worden

Zunächst hatten Sprecher der Luftwaffe von einem Zusammenstoß der Boeing mit einer zweimotorigen Privatmaschine vom Typ Embraer Legacy berichtet, die bei dem Unfall eine Tragfläche verloren habe. Eine Bestätigung für diese Version gab es jedoch nicht. Als "unerklärlich" bezeichnete später Generalmajor José Pereira den Zusammenstoß in der Luft. Verteidigungsminister Waldir Pires spekulierte über "mangelhafte Aufmerksamkeit" der Gol-Piloten. Experten schlossen Wetterprobleme als Ursache für den Zusammenstoß aus.

Gol ist eine Billigflug-Linie, die 2001 gegründet wurde. Nach dem Bankrott von Varig wurde sie mit einem Marktanteil von 28 Prozent zur zweitgrößten Fluggesellschaft Brasiliens. Die Gol-Aktien werden in Brasilien und auch in den USA gehandelt. Das Unternehmen fliegt mit 55 Boeing 737 rund 50 Ziele in Brasilien sowie die südamerikanischen Städte Buenos Aires, Córdoba, Rosario (Argentinien), Montevideo (Uruguay), Santa Cruz de la Sierra (Bolivien), Asunción (Paraguay) und Santiago de Chile an.

Es war der erste Vorfall dieser Art mit einer Maschine von Gol. Die Fluggesellschaft teilte mit, das Unfallflugzeug sei vom Hersteller erst am 12. September geliefert worden und habe nur rund 200 Flugstunden registriert.

Reuters/DPA DPA Reuters

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