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Katastrophenhilfe: Organisationen kritisieren Regierungen

Dass Regierungen nach einer Katastrophe um Hilfe bitten, ist nichts ungewöhnliches. Ein Jahr nach dem Tsunami sind es jedoch die Hilfsorganisationen, die die Staatsmächte zu mehr Unterstützung auffordern.

Fast ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien hat die britische Hilfsorganisation Oxfam die dortigen Regierungen zu mehr Unterstützung aufgefordert. Es müssten noch rund 300.000 neue Häuser für Menschen gebaut werden, die weiterhin in Notunterkünften lebten, teilte die führende britische Hilfsorganisation am Mittwoch in London mit.

Den Regierungen der betroffenen Länder warf Oxfam vor, sie stellten zu wenige Grundstücke für den Bau neuer Häuser zur Verfügung und verzögerten damit den Wiederaufbau. In Indonesien herrsche oftmals Unsicherheit über so genannte Pufferzonen in Meeresnähe, die nicht wieder bebaut werden dürfen. Die Regierung in Sri Lanka zum Beispiel habe Fischergemeinden Land angeboten, dass vom Meer viel zu weit entfernt sei. Probleme gebe es auch mit der Bereitstellung von Baumaterial.

Beeindruckende Fortschritte

Trotz der Schwierigkeiten hätten mittlerweile 95 Prozent der Betroffenen in Sri Lanka ein Dach über dem Kopf, hieß es. In der besonders stark betroffenen indonesischen Provinz Aceh an der Nordspitze der Insel Sumatra würden bis Ende Dezember immerhin ein Viertel der benötigten Häuser fertig gestellt. "Die Fortschritte sind schon beeindruckend", sagte die Oxfam-Vorsitzende Barbara Stocking. "Aber es gibt noch viel zu tun."

Bei der größten Naturkatastrophe in der jüngeren Geschichte der Menschheit waren am zweiten Weihnachtstag 2004 mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Allein in Aceh fielen der Katastrophe schätzungsweise 170.000 Menschen zum Opfer.

DPA / DPA