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Mitten im Landesinneren: Spaziergängerin entdeckt Kegelrobbe mit mysteriösem Ring um den Leib

Es ist schon das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass in dem kleinen Flüsschen Bramau in Schleswig-Holstein eine Robbe gesichtet wurde. Das Besondere: Das Tier trägt einen weißen Reifen um den Körper. Nun sucht die ganze Region nach "Burghardt".

Fluss in Schleswig-Holstein: Kegelrobbe mit mysteriösem Ring gesichtet

Cornelia Schreitz traute ihren Augen nicht, als sie am Sonntagnachmittag mit ihren beiden Hunden an der Bramau im schleswig-holsteinischen Wrist spazieren ging. In dem vom Hochwasser stark angestiegenen Flüsschen paddelte eine Robbe. "Ich sah was Helles im Wasser. Und da ich gerne Krimis guck‘, dachte ich schon an was Schlimmeres", erzählt sie den "Kieler Nachrichten". Sie habe sofort ihren Mann angerufen. Sehr verwundert war Notger Schreitz über den Besucher aus der Nordsee nicht. Er kommt aus Hamburg und da käme das immer mal wieder vor. Doch Wrist ist nicht Hamburg und die Bramau sehr viel weiter entfernt vom Meer als die Elbe. Und nicht nur das: Um den Körper des Tieres war ein weißer Reif geschlungen, ähnlich einem Dichtungsring einer Waschmaschine.

Die Sorge der Familie Schreitz ist groß. Denn der Ring scheint das Tier massiv zu behindern. "Als ich ankam, drehte sie sich immer wieder und kam nicht richtig vorwärts", berichtet Notger Schreitz dem stern. Der Ring habe sich teilweise über die Flossen geschoben und sie an den Leib des Tieres gefesselt.

Kegelrobben jagen normalerweise nicht in Flüssen

Schreitz schickte Fotos an die Seehundstation in Friedrichskoog. Die Experten rieten zur Vorsicht. Denn bei dem Tier handelt es sich um eine Kegelrobbe. "Das ist das größte in Deutschland vorkommende Raubtier und wird sich bestimmt nicht freuen, wenn man sich ihm ohne Weiteres nähert", sagt der Robben-Experte der Nationalparkverwaltung Armin Jeß dem stern. Die Tiere werden bis zu zweieinhalb Meter lang und ein Biss kann Krankheiten übertragen.

Grundsätzlich seien Seehunde in Flüssen gar nicht so ungewöhnlich, erklärt der Robben-Experte. Im Nord-Ostsee-Kanal würden immer wieder welche gesichtet. In der Eider gäbe es sogar einen Liegeplatz, der das ganze Jahr über von Seehunden bevölkert würde. "Sie folgen der Nahrung", sagt Jeß. Das Tier aus Wrist ist aber kein Seehund sondern eine Kegelrobbe und die lebten eigentlich viel weiter draußen im Meer. "Ich habe noch von keiner Kegelrobbe so weit im Landesinneren gehört."

War "Burghardt" schon in Bad Bramstedt?

Familie Schreitz hat die Robbe inzwischen "Burghardt" getauft, nach dem Polizisten, der sich so engagiert dem Fall angenommen habe. Sie fragt sich nun, ob "Burghardt" dasselbe Tier ist, was vor knapp einer Woche in der Ohlau in Bad Bramstedt gesichtet wurde.

Irgendwann sei die Robbe in Wrist abgetaucht und die Familie hat sie aus den Augen verloren. Die Bramau selbst fließt Richtung Itzehoe in die Stör und dann in die Nordsee - die Heimat der Kegelrobbe. Käme sie dort an, sei es fast ausgeschlossen, dass man ihr noch habhaft werden kann, sagt Jeß. Um sich den mysteriösen weißen Ring genauer anzuschauen, müsste "Burghardt" an Land kommen. Ihn im Wasser zu jagen würde außerdem sehr viel Stress für das Tier bedeuten.

Fluss in Schleswig-Holstein: Kegelrobbe mit mysteriösem Ring gesichtet


Ist der mysteriöse Reif gefährlich?

Grundsätzlich käme es aber häufiger vor, dass sich Robben in Plastikmüll verfangen würden, sagt der Robben-Experte. "Manche Tiere können damit jahrelang gut leben." Gefährlich würde es, wenn eine Robbe noch nicht ausgewachsen sei und die Fessel irgendwann tief in die Haut einschneiden würde. Die Wunden könnten sich entzünden, das Tier sterben.

Um herauszufinden, wie beeinträchtigt "Burghardt" ist, ist nun die Bevölkerung in der Region aufgerufen, nach der Kegelrobbe Ausschau zu halten. Auf Facebook teilte Notger Schreitz den Aufruf. Die Anteilnahme der Nutzer überrascht den Wrister. "Die Reaktion war überwältigend. Der Stellenwert eines Tieres ist in Deutschland sehr hoch – finde ich auch schön so", sagte er gegenüber NDR1 Welle Nord.

Plastikmüll
tyr