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Entlastung der Busse Landkreis wollte Prämie für Elterntaxis bieten – und rudert nach harscher Kritik zurück

Prämie für Elterntaxis sorgt für Kritik
An einigen Schulen wie hier in Hannover wurden wurden eigene Haltezonen für Elterntaxis eingerichtet
© Peter Steffen / Picture Alliance
Um den öffentlichen Nahverkehr während der Coronakrise zu entlasten, wollte ein niedersächsicher Landkreis Eltern eine Prämie bieten, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Dafür hagelte es gleich von mehreren Seiten Kritik.

Sie haben meist wenig Zeit, parken an Bushaltestellen oder Wenden auf dem Gehweg: Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, lösen nicht selten ein mittelschweres Verkehrschaos aus. Vielen sind die sogenannten Elterntaxis schon länger ein Dorn im Auge. In der Corona-Pandemie hat sich der Alltag vieler Menschen aber verändert, was vor allem zum Ferienende deutlich wird. Die Schulen mussten mit Hygienekonzepten auf die Situation regieren. Manche Eltern denken neu über den Schulweg ihrer Kinder nach: Setzen wir sie in einen vollen Bus oder bringen wir sie doch lieber selbst?

Um überfüllte Busse mit zu wenig Abstand zu vermeiden, wollte der Landkreis Peine in Niedersachsen den Eltern helfen. Die Verwaltung kündigte in der vergangenen Woche eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer für das Bringen der Kinder an und sorgte damit seit dem Schulstart für einigen Wirbel. Nach viel Kritik an der finanziellen Förderung beendete der Kreis die Testphase am Freitag vorzeitig und räumte Fehler ein. In der Vorbereitung seien einige wichtige Faktoren wie die derzeitige Baustellen- und Umleitungssituation in Peine unberücksichtigt geblieben.

Unter anderen hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) überrascht von der Idee gezeigt und eingeräumt, sich an den Gedanken erst gewöhnen zu müssen. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" Donnerstag) sagte er aber: "Ich habe auch Verständnis dafür, wenn Eltern unter den gegenwärtigen Bedingungen ihre Kinder öfter mit dem Auto zur Schule fahren." Noch gesünder sei allerdings Fahrradfahren.

ADAC fürchtet um Eigenständigkeit der Kinder

Ganz so gelassen und moderat hatten aber längst nicht alle auf den Vorstoß aus Peine reagiert. "Auch wenn Kreativität in Corona-Zeiten grundsätzlich wünschenswert ist, geht diese Aktion eindeutig in die falsche Richtung", sagte Alexandra Kruse vom ADAC. Aus Sicht des Automobilclubs entsteht das Chaos oft durch den wenigen Platz vor Schulen. "Es wird verkehrswidrig an Bushaltestellen oder in zweiter Reihe gehalten, wo ein Aussteigen nicht sicher ist", so Kruse. Die angedachte Kilometerpauschale sei vor allem mit Blick auf die Rolle der Kinder als eigenständige Verkehrsteilnehmer "ein ganz falsches Signal".

"Es geht darum, die Busunternehmen zu entlasten", hatte der Peiner Landkreissprecher, Fabian Laaß, in der vergangenen Woche zur Begründung gesagt. Den Eltern sollte damit vor allem mehr Flexibilität gegeben werden und viele hätten sich nach der Kilometerpauschale erkundigt. Aber: "Eine erste Auswertung und zahlreiche Gespräche unter anderem mit Schulen, Beförderungsunternehmen und der Polizei haben gezeigt, dass die geplante Entschädigung für Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Bus mit dem Auto zur Schule bringen, viele andere Probleme mit sich bringt", sagte Laas am Freitag.

Polizei warnt vor Risiken des Elterntaxis

Ein paar Kilometer südlich, im Landkreis Northeim, ist eine ähnliche Förderung mittlerweile sogar bis zu den Herbstferien verlängert worden. Seit Ende April können dort 20 Cent pro Kilometer beantragt werden. Um Verkehrsprobleme zu vermeiden, sollten Eltern nicht ganz an die Schule fahren und auf langwierige Abschiedsrituale verzichten, hieß es aus Northeim.

Für Förderungen von Elterntaxis hagelte es aber nicht nur vom ADAC viel Kritik. Die Polizei warnt immer wieder vor den Risiken und kontrolliert auch vor den Schulen. Das Sozialministerium in Hannover wirbt eher dafür, den Schülertransport zu stärken; der Städte- und Gemeindebund in Niedersachsen sieht einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand. Nur wenige Kommunen seien finanziell in der Lage, solche Prämien auszuschütten.

Kurz vor dem Schulstart in Bayern in der kommenden Woche riefen das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub VCD dazu auf, Elterntaxis zu vermeiden. "Es gibt meist keinen Grund, Kinder morgens mit dem Auto in die Schule zu chauffieren", betonte Holger Hofmann, Geschäftsführer des Hilfswerkes, in einem gemeinsamen Aufruf.

sve DPA

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