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Mallorca: Polizei verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Nach dem Bombenanschlag mit zwei Toten ist die Ferienstimmung auf Mallorca getrübt. Die Polizei durchsucht Autos, am Flughafen wird genauer kontrolliert. Die meisten Touristen bleiben dennoch gelassen. Die spanische Regierung geht davon aus, dass der Anschlag von der Terrororganisation Eta verübt wurde.

Von Stefan Schmitz, Palma

Tina und Axel Corte stehen an der Hafenpromenade Palma, am Himmel brennt die Sonne und die Cortes schwitzen, als sie von der explodierten Bombe hören. Auf der Rückbank des gemieteten blauen Fords sitzen die beiden Kinder, Max und Emma. Dass der Verkehr zusammengebrochen ist, das nervt die junge Familie aus Wildau nahe Berlin. Dass es seit Tagen so warm ist, auch heute wieder 32 Grad, das ist schon fast störend. Doch dass nun eine Bombe auf Mallorca hochgegangen ist - das nehmen sie zur Kenntnis, aber es verunsichert die deutschen Urlauber nicht tief. "Ändern kann man so etwas sowieso nicht, zuhause passieren auch schlimme Sachen", sagt Axel Corte. Und seine Frau fügt hinzu: "Ich hatte nie das Gefühl, hier nicht sicher zu sein."

Zwei Polizisten starben

Hier, auf Mallorca, der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen, haben Terroristen eine Bombe gezündet. Die Explosion vor einer Polizeikaserne riss gegen 14 Uhr zwei Beamte in den Tod. Verletzt wurde niemand. Der Sprengsatz explodierte südwestlich der Hauptstadt Palma de Mallorca, unweit des bei Touristen beliebten Strandes Magaluz.

Der Terror hat die Insel am Donnerstag im Griff: Nach der Explosion finden die Ermittler eine zweite Bombe, die unter einem seit längerem nicht genutzten Polizeiauto angebracht war. Sie ist nicht hochgegangen und wird kontrolliert gesprengt. Die spanische Polizei hat die Sicherheitsvorkehrungen in dem Ferienparadies inzwischen drastisch verschärft. Auf der Suche nach den Terroristen überprüfte die Polizei bereits zahlreiche Fahrzeuge auf Mallorca und suchte nach einer Wohnung, in der die Attentäter möglicherweise Unterschlupf gefunden hatten. Auf dem Flughafen soll gründlicher kontrolliert werden als üblich.

Bislang deutet alles auf einen Anschlag der Eta hin. An diesem Freitag jährt sich die Gründung der spanischen Terrororganisation zum 50. Mal. Daher befanden sich die spanischen Sicherheitskräfte schon sich seit mehreren Tagen in höchster Alarmbereitschaft - freilich offiziell, um den Marivent-Palast zu bewachen, wo König Juan Carlos und Königin Sofía am Wochenende zur Sommerfrische erwartet werden. Bei der Eta besonders verhasst ist die paramilitärische Guardia Civil - die betroffene Polizeikaserne auf Mallorca gehört zu der Einheit. Es ist nicht der erste Anschlag auf der Insel, doch Tote hatte es bisher keine gegeben.

Die Urlauber bleiben ruhig

Bei den Urlaubern löst die Nachricht von dem tödlichen Anschlag keine Panik aus. Ähnlich wie das Ehepaar Corte sieht das auch ein älterer, weißhaariger Herr, der an der Hafenpromenade von Palma zweieinhalb Stunden im Stau stand. "Was hat heute noch Bestand", fragt er. Er hat sechs Jahre auf dem spanischen Festland gelebt und dort bereits Anschläge erlebt. Er bleibt ruhig - er kenne so etwas, sagt er. Bislang hätte er aber immer geglaubt, dass Mallorca wegen der Insellage sicherer ist. Er zuckt mit den Schultern.

Tausende saßen am Airport fest

Die Insellage ist es, die sich die Behörden am Donnerstag nach dem Attentat zu Nutze machten, um die Attentäter zu fassen: Mallorca wurde zeitweise abgeriegelt. Die Seehäfen und der Flughafen wurden gesperrt. Eine Stunde und 40 Minuten lang ging auf Son Sant Joan nichts mehr. Tausende Urlauber mussten befürchten, dass sie vorerst auf der Insel festsitzen. Am frühen Abend wurde der Flughafen, der während der Feriensaison eines der höchsten Passagieraufkommen in Europa hat, wieder geöffnet. Flüge wurden nicht gestrichen, doch viele Starts und Landungen verspäteten sich bis in die Nacht hinein.

Am Hafen stehen Norbert Krüger und seine Frau aus Berlin, seit zwei Stunden sind sie hier unterwegs. Mit dem Auto kommen sie nicht weit, der Verkehr in Palma ist komplett zusammengebrochen. Am nächsten Tag müssen sie wieder nach Deutschland fliegen. Der Anschlag hat ihnen ihr Ferienziel nicht dauerhaft vermiest: "Wir werden trotzdem wieder auf Mallorca Urlaub machen."

mit DPA