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Ungebetene Vorträge von Männern: Schweden richten erste Hotline für Mansplaining-Opfer ein

Mansplaining stellt in der Arbeitswelt ein großes Problem dar – meint zumindest Schwedens größte Gewerkschaft. Für ihre Mitglieder hat sie daher eine Hotline eingerichtet, an die sich alle wenden können, die sich durch schwadronierende Kollegen belästigt fühlen.

Mansplaining stellt für Schwedens größte Gewerkschaft Unionen in der Arbeitswelt ein großes Problem dar

Wenn Männer fälschlicherweise annehmen, sie wüssten über ein Thema mehr als ihre Gesprächspartnerin und herablassende Vorträge halten, bezeichnet man dieses Vorgehen als Mansplaining

Mansplaining: Dieser Begriff hat sich mittlerweile für ungebetene Vorträge, die Männer meinen, gegenüber Frauen halten zu müssen, fest eingebürgert. Dass ihr weibliches Gegenüber eigentlich viel mehr Ahnung vom Thema hat, übersehen die Herren dabei schlicht. Das Problem ist nicht nur so weit verbreitet, dass ein eigener Begriff dafür eingeführt werden musste. Nun wurde sogar die erste Hotline eingerichtet, an die sich Opfer des Mansplaining wenden können.

Am Montag nahm in Schweden die weltweit erste Mansplaining-Beratungsstelle ihre Arbeit auf. Initiiert wurde sie von Unionen, der größten Gewerkschaft des Landes. Sie vertritt mehr als 600.000 Arbeitnehmer im privaten Sektor und fordert ihre Mitglieder nun auf, sich an die Hotline zu wenden, wenn sie sich von männlichen Kollegen durch belehrende Monologe belästigt fühlen. 

"Eine Methode der Unterdrückung"

"Mansplaining ist eine Methode der Unterdrückung, die am Arbeitsplatz sowohl Diskriminierung als auch mangelnde Chancengleichheit erzeugt und unterbunden werden muss", erklärt die Gewerkschaft ihre Initiative in einer Pressemitteilung. Daher wolle man auf dieses problematische Phänomen aufmerksam machen.

Eine Studie der American Psychological Association hätte gezeigt, dass Männer viel mehr zur Selbstüberschätzung neigen als Frauen, begründet Unionen ihre Entscheidung. Und diese Neigung nehme mit dem Alter sogar noch zu. 

"Weder Frauen noch Männer sollten sich am Arbeitsplatz diskriminiert fühlen", sagte die stellvertretende Vizepräsidentin der Gewerkschaft Marina Aman. Mit dem Projekt wolle man ein größeres Bewusstsein für das Problem schaffen.

Politiker, Komiker und Wissenschaftler geben Rat

Die Hotline steht den Mitgliedern jeden Tag von 10 bis 16 Uhr zur Verfügung. Feministische Politiker, Komiker und Wissenschaftler nehmen die Anrufe entgegen und geben Tipps, wie man dem Mansplaining am besten begegnet und darauf kontert.

Im Netz hagelte es für die Mansplaining-Hotline allerdings Kritik. "Wie würden denn Frauen reagieren, wenn man ein Female Whining einrichten würde?", schrieb etwa ein Nutzer. Es wäre ja nur fair, wenn sich Männer auch via Hotline über ihre Kolleginnen beschweren dürften.

Aber es gibt auch positive Stimmen. "Eine gute Initiative. Wenn man die Kommentare beurteilt, sieht es ganz so aus, als würden viele Männer sich angesprochen fühlen. Das zeigt doch nur, wie sehr solche Möglichkeiten gebraucht werden", kommentierte eine Userin bei Facebook. 

ivi
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