HOME

Gegen Nutzungsbedingungen verstoßen: Behinderter Junge sucht Pflegerin - doch Facebook löscht seinen Aufruf

Mit einem rund 60.000 mal geteilten Aufruf suchte ein querschnittsgelähmter Junge aus Bayern nach ambulanten Pflegekräften, um nicht ins Heim zu müssen. Doch Facebook löschte seinen Account - und nun sind alle Antworten weg.

Das soziale Netzwerk Facebook

Das soziale Netzwerk Facebook löschte den Account des Jungen, ohne ihm die Antworten möglicher Pflegekräfte zur Verfügung zu stellen

Nach einem schweren Autounfall vor knapp acht Jahren ist der kleine Michl aus Bayern querschnittsgelähmt und auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Der heute zehnjährige Junge braucht rund um die Uhr Betreuung. Auf Facebook startete er einen Aufruf, um ambulante Pflegekräfte zu finden, die ihn zu Hause pflegen können. Denn Michl will nicht in das spezielle Pflegeheim, dass rund 100 Kilometer von seinem Heimatort entfernt in München liegt, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet. Rund 60.000 mal wurde sein Aufruf demnach geteilt, doch dann wurde sein gesamter Account von Facebook gelöscht. Mitarbeiter des Unternehmens hatten den erfolgreichen Post wohl unter die Lupe genommen. Darin schrieb Michl, dass er demnächst elf Jahre alt werde. Laut Statuten muss man aber mindestens 13 sein für einen Account bei dem sozialen Netzwerk.

Besonders ärgerlich an der Geschichte ist, dass mit seinem Account auch alle privaten Nachrichten gelöscht wurden. Laut BR hatten sich rund 50 Menschen auf den Aufruf gemeldet. Der Sender zitiert aus einer E-Mail von Michl an Facebook: "Ihr nehmt mir jetzt die Möglichkeit, Leute zu finden, damit ich zuhause bleiben kann. Ihr löscht ohne Vorwarnung mein Konto, jetzt sind alle Daten weg - und das sind sehr viele, die ich noch nicht lesen konnte!"

Eine Sprecherin des Unternehmens habe dem Sender zugesichert, sich um den Fall zu kümmern. Dies könnte allerdings einige Zeit dauern. Ob die Nachrichten rekonstruiert werden können, sei noch unklar. Falls das nicht möglich ist, will sich Michl aber nicht abschrecken lassen. "Dann starten wir über einen anderen Account eben einen neuen Aufruf", sagt der Junge.

fin