Myanmar "Opfer militärischer Selbstherrlichkeit"


Während die Katastrophenhilfe nach dem Erdbeben in China offenbar professionell anläuft, herrscht in Myanmar auch mehr als eine Woche nach dem Zyklon Chaos. Zwar lässt die Regierung inzwischen Hilfe ins Land - aber die Verteilung klappt nicht. Schuld daran sei die Selbstherrlichkeit des Militärs, meinen internationale Helfer.

Die Hilfsorganisationen kämpfen derzeit an vielen Fronten in Myanmar. Nicht nur, dass sie vor der Aufgabe stehen, mehr als anderthalb Millionen Opfer des Wirbelsturms zu versorgen. Fast noch schwieriger sei es, das Militär davon zu überzeugen, dass es endlich kooperiert, meinen Helfer vor Ort. Offene Kritik allerdings will keiner äußern. "Wir müssten sonst damit rechnen, dass wir des Landes verwiesen werden. Das wiederum wäre eine Katastrophe für die Menschen, die dringend auf unsere Unterstützung angewiesen sind", erklärt ein Helfer und verweist auf geradezu "perfekte Arbeitsbedingungen" in China. "Da zeigt sich, was man erreichen kann, wenn es einen Notfallplan gibt und das Miliär mit zivilen Einrichtungen und humanitären Organisationen zusammenarbeitet."

Von China lernen

Etwas, das in Myanmar noch undenkbar ist. "Da werden die Opfer des Zyklons nun auch noch zu Opfern der Selbstherrlichkeit der Militärjunta", sagt ein anderer Helfer. Dabei könnte das Militär nach Überzeugung der Hilfsorganisationen einiges von den chinesischen Truppen lernen. "Das beginnt beim Brückenbau, bei der Räumung von Straßen, bei der Unterstützung der Verteilung von Hilfsgütern mit Militärlastwagen und bei der Hilfe zur Einrichtung von Trinkwasseraufbereitungsanlagen", zählt ein Helfer auf. Auch die Nutzung von militärischen Kommunikationswegen für die zivilen Helfer könne die Arbeit erleichtern. Davon sei in Myanmar allerdings wenig zu spüren. "Die Folge ist, dass die Situation mit jedem Tag schlimmer wird." Noch immer gebe es menschliche Leichen und Tierkadaver auf den Straßen, noch immer gebe es in einigen Teilen des vom Zyklon am schwersten betroffenen Irrawaddy-Deltas kein Trinkwasser und auch dringend benötigte Medikamente für die Katastrophenopfer kämen nicht bei den Betroffenen an, was die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen ständig erhöhe.

Tür zur Luftbrücke geöffnet

Allerdings scheint die Militärjunta in Myanmar die Tür zu einer Luftbrücke für Hunderttausende Zyklon-Opfer endlich etwas zu öffnen. Jetzt startete von Thailand aus ein zweites US-Militärflugzeug mit Hilfsgütern nach Rangun, eine weitere Maschine sollte noch im Laufe des Tages folgen, wie US-Militärsprecher Douglas Powell mitteilte. Im staatlichen Fernsehen dämpfte der Marine-Befehlshaber Myanmars, Konteradmiral Soe Thein, allerdings die Hoffnung auf das uneingeschränkte Anlaufen der Operation "Joint Task Force Caring Relief". Er sagte, die Grundbedürfnisse würden erfüllt und "fachkundige Helfer" seien "nicht erforderlich".

Eine Ansicht, über die Helfer nur die Köpfe schütteln können. "Das Militär hat doch keine ausreichenden Kompetenzen, was humanitäre Hilfe anlangt. Die wissen nicht, wie man mit schwer traumatisierten Menschen umgeht, wie Flüchtlingslager organisiert werden und worauf man bei der Versorgung von Kindern achten muss."

Druck auf Junta

Mit dem ersten Hilfsgüterflug am Montag war der US-Befehlshaber der Pazifik-Streitkräfte, Admiral Timothy Keating, mit nach Rangun geflogen. Er hoffte, die Junta zu einer Öffnung der Grenzen für ausländische Helfer bewegen zu können. Nach seinen Gesprächen teilte er mit, es gebe lediglich ein Übereinkommen, dass die Militärregierung die ausländischen Angebote zur Hilfe prüfen werde.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte Russland und China auf, im UN-Sicherheitsrat gemeinsam Druck auf Myanmars Junta auszuüben. "Der Weltsicherheitsrat sollte die Junta auffordern, die Hilfsorganisationen endlich ins Land zu lassen", sagte die SPD-Politikerin der "Passauer Neuen Presse". Dafür müssten sich auch Länder wie China und Russland bewegen und ein entsprechendes Vorgehen im Sicherheitsrat unterstützen. Die internationale Staatengemeinschaft habe die Verantwortung, Menschen in schweren Notsituationen auch dann zur Seite zu stehen, wenn ihre Regierung die Bevölkerung bewusst nicht schütze. Die Ministerin forderte die Junta auf, die Hilfe in die Hände der UN zu legen.

Soforthilfe erhöhen

"Keine Regierung der Welt - schon gar nicht eine, die nur aus Militärs besteht - ist in der Lage, eine Hilfsaktion von dieser Dimension zu leisten." Im Auftrag der Bundesregierung flog am späten Montagabend ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) nach Myanmar. Die zwölf Trinkwasserexperten starteten mit einer Linienmaschine von Frankfurt am Main nach Rangun. Den Experten folgt eine vom Auswärtigen Amt gecharterte Frachtmaschine mit vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Diese können sauberes Wasser für täglich 40.000 Menschen produzieren.

Manuela Pfohl, AP AP

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