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New Orleans: Erste Seuchentote gefunden

Mit dem Wasser kommen die Bakterien: In den von "Katrina" überschwemmten Regionen sind bereits drei Menschen an Infektionen gestorben. Ein Auslöser sind zehntausende Leichen, die das Wasser vergiften. Doch deren Bergung ist schwierig.

In den nach dem Hurrikan "Katrina" überschwemmten Regionen entlang der US-Golfküste sind drei Menschen an Infektionen mit Bakterien gestorben. Insbesondere in New Orleans hatte sich die Lage wegen der wachsenden Seuchengefahr zugespitzt. Die Krankheitserreger sammelten sich offenbar in den stark verschmutzten Wassermassen an. Ausgelaufenes Öl, angeschwemmter Müll und verwesende Leichen verwandeln die Wassermassen in eine gesundheitsgefährdende Kloake, sagte Bürgermeister Ray Nagin. Die staatlichen Gesundheitsbehörden warnten daher davor, mit dem Wasser in Berührung zu kommen.

Mehr als eine Woche nach dem Hurrikan harren in New Orleans noch rund 10.000 Menschen aus und weigeren sich, freiwillig zu gehen. Die Menschen, die oft alles verloren haben, wollen oft nicht ihre Haustiere im Stich lassen. Erst seitdem auch Katzen und Hunde mit evakuiert werden, lenken viele ein.

Wie die US-Umweltbehörde EPA mitteilte, sind bei den ersten umfassenden Wassertests gefährlich hohe Konzentrationen von Kolibakterien und Blei festgestellt worden. Die Werte für Kolibakterien überschritten die Grenzwerte deutlich, sagte EPA-Sprecher Dale Kemery. Auch die Bleikonzentration sei weit über dem Zulässigen. So bestehe etwa Gefahr für Kinder, falls diese große Mengen Wasser schluckten. Die EPA rief alle Menschen in New Orleans auf, das Wasser nicht zu berühren. In dem Wasser treiben Leichen, Müll, Industrieabfälle und Benzin aus den vielen überfluteten Autos.

Parallel zur Zwangsräumung der immer noch zum Großteil überschwemmten Stadt bereiten sich die Rettungskräfte in den USA auf die Bergung zehntausender Leichen vor. In den Staat Louisiana wurden 25.000 Leichensäcke geliefert, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde, Bob Johannessen, am Mittwoch mitteilte. Auf die Frage, ob die Behörden mit so vielen Toten rechneten, sagte er: "Wir wissen nicht, was wir zu erwarten haben. Es heißt, dass wir vorbereitet sind."

Jetzt fließt Milliarden-Hilfe

US-Präsident George W. Bush hatte zuvor weitere Hilfen in Höhe von 51,8 Milliarden Dollar (41,6 Milliarden Euro) für das Katastrophengebiet um New Orleans angekündigt. 1,4 Milliarden Dollar davon sollen an die Streitkräfte gehen und 400 Millionen an das Pionierkorps, das an der Abdichtung der Dämme arbeitet. Den Rest erhält die Katastrophenschutzbehörde FEMA. Die Regierung in Washington hat bereits 10,5 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Bush kündigte weiter an, dass die Opfer Debitkarten in Höhe von 2.000 Dollar für Kleidung und anderen Bedarf erhalten würden. Die Karten sollten zunächst in den größeren Evakuierungszentren wie dem Astrodome in Houston verteilt werden.

Deutsche Wasserpumpen sollen helfen

Am Donnerstag wurde in New Orleans ein amerikanisches Militärflugzeug (C17) mit 90 deutschen Experten für Hochleistungspumpen des Technischen Hilfswerks (THW) erwartet, wie die Deutsche Botschaft in Washington mitteilte. In einer Anschlussmaschine sollten dann von Deutschland gelieferte Wasserpumpen folgen. Die 15 Hochleistungspumpen sollen bei der Trockenlegung von New Orleans helfen.

Die US-Ölindustrie wird nach Einschätzung der Regierung bis November brauchen, um sich von "Katrina" zu erholen. Bis dahin solle die tägliche Ölfördermenge wieder bei knapp 5,4 Millionen Barrel liegen, demselben Stand wie vor der Katastrophe, teilte das Energieministerium in Washington mit. Falls die Reparaturarbeiten an den Förderanlagen aufwändiger seien als erwartet, könne sich dies bis Dezember verzögern. An der Golfküste wurden nach dem Hurrikan insgesamt zehn Raffinerien geschlossen, vier davon können den Betrieb voraussichtlich erst in einigen Monaten wieder aufnehmen. Aus der Region kommen 29 Prozent der US-Ölproduktion.

DPA, AP, Reuters / AP / DPA / Reuters