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Oder-Hochwasser: Jetzt müssen die Deiche der Oder standhalten

Das Oder-Hochwasser hat seinen Scheitelpunkt erreicht und bisher zu keinen größeren Schäden geführt. Die Pegelstände am südlichen Grenzabschnitt zu Polen fallen inzwischen leicht. Heute will sich auch die Kanzlerin ein Bild von der Lage machen.

In der Stadt Frankfurt zeigte der Pegel in der Nacht konstant 5,99 Meter. Neuere Zahlen vom Morgen gab es zunächst nicht, da ein Stromausfall den Server im Lagezentrum vorübergehend lahmlegte. Die Arbeit sei dadurch aber nicht prinzipiell beeinträchtigt, hieß es. Sollte etwas wirklich Wichtiges passieren, wie beispielsweise ein Schaden an einem Deich, würden sich die 13 Deichläufer per Telefon melden. In Frankfurt gilt seit Freitag die höchste Alarmstufe 4, bei der Deiche überflutet werden können. Entspannter ist die Lage dagegen inzwischen in den südlichen Teilen Brandenburgs. Nach Angaben des Lagezentrums konnten dort an einigen Orten die Alarmstufen wieder gesenkt werden.

Gemeinsam mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) wird die Kanzlerin das Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen besuchen. Anschließend geht es an die Oder, um die gegen das Hochwasser errichteten Spundwände in Augenschein zu nehmen.

Am Freitag kam es zu ersten Deichschäden - etwa in der Nähe des Pegels Ratzdorf (Oder-Spree), an dem das Wasser zuvor seinen Scheitelpunkt erreicht hatte und wo Oder und Neiße zusammenfließen. Insgesamt hielten die größtenteils erneuerten Wälle jedoch dem Druck stand. Zu ihrer Entlastung wurden am Freitagnachmittag nahe Schwedt zwei Polder geöffnet.

Bisher 20 Tote in Polen

Bei Slubice, der polnischen Nachbarstadt Frankfurts, wurden bereits zwei Dörfer evakuiert. Teile der Stadt liegen tiefer als die Oder. Schulen und Kindertagesstätten sind geschlossen. Die Deiche hielten aber auch dort. Die Stadtbrücke, die Frankfurt mit Slubice verbindet, konnte bisher noch offen bleiben. Weiter nördlich, im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern bereitet man sich inzwischen ebenfalls auf das Oderhochwasser vor. Erkennbar höhere Wasserstände werden dort allerdings mit dem diesjährigen Hochwasser nicht erwartet.

In Polen sind durch das Hochwasser bisher mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Die Leiche eines 50-jährigen Mannes sei in seinem Haus in Sandomierz aufgefunden worden, berichtete die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf die Polizei. Er habe seine Mutter vor der Flut in Sicherheit gebracht und sei danach ins Haus zurückgekehrt. Zudem sei die Leiche eines 72-Jährigen in einem anderen Haus in der Stadt an der Weichsel im Süden des Landes gefunden worden. Der Mann wollte die Ausstattung seiner Firma vor dem Wasser retten. "Er wurde offenbar von der Flutwelle erfasst", sagte eine Polizeisprecherin. Am Donnerstag war im selben Ort ein 71-Jähriger tot geborgen worden.

Kritische Lage in der Stadt Kostrzyn

Am Grenzfluss Oder habe sich die Situation aber entspannt, sagte Polens Innenminister Jerzy Miller. "Der Pegel ist hoch, aber nicht so hoch, dass dort Dammbrüche drohen würden."

Angespannt ist die Situation weiterhin an der Warthe, einem Nebenfluss der Oder. Auf deren Hochwasserscheitel bereitete sich auch die größte Stadt der Region, Posen, vor. Ein Poldersystem sollte dafür sorgen, dass Posen nicht überflutet wird. In der Grenzstadt Kostrzyn, die an Warthe und Oder liegt, spitzte sich die Hochwasserlage zu. In den vergangenen Tagen hätten etwa 200 von 500 Bewohnern des Ortsteils Szumilowo ihre Häuser verlassen müssen, sagte ein Sprecher der Stadt. Man habe Notunterkünfte bereitgestellt.

DPA/APN/tib / DPA