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Plünderungen in Chile: Regierung verhängt Ausgehsperre

Nach dem verheerenden Erdbeben in Chile häufen sich im Katastrophengebiet die Plünderungen. In Concepción musste die Feuerwehr sogar zeitweilig die Bergung von Überlebenden einstellen, weil die Polizei Tränengassalven auf Menschen abfeuerte, die massenhaft Waren aus einem halb zerstörten Supermarkt davontrugen.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Chile häufen sich im Katastrophengebiet die Plünderungen. In Concepción musste die Feuerwehr sogar zeitweilig die Bergung von Überlebenden einstellen, weil die Polizei Tränengassalven auf Menschen abfeuerte, die massenhaft Waren aus einem halb zerstörten Supermarkt davontrugen. Für die Nacht von Sonntag auf Montag wurde von 09.00 Uhr abends bis 06.00 Uhr morgens ein Ausgehverbot verhängt. Dieses sollte auch für die folgenden Nächte gelten.

Präsidentin Michelle Bachelet ermächtigte die Streitkräfte, für Recht und Ordnung zu sorgen. Zugleich wurde das Militär mit der Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Decken sowie mit der Räumung von Trümmern beauftragt. Die Elektrizitätswerke wurden aufgerufen, vorrangig in Krankenhäusern die Stromversorgung wiederherzustellen, um die medizinische Behandlung der Verletzten sicherzustellen.

Nach jüngsten Regierungsangaben kamen bei dem Beben der Stärke 8,8 vom Samstagmorgen mindestens 708 Menschen das Leben. Das genaue Ausmaß der Katastrophe war noch immer nicht absehbar, zumal immer neue Nachbeben das Katastrophengebiet rund 320 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago erschütterten. Diese brachten viele beschädigte Gebäude endgültig zum Einsturz und lösten bei der Bevölkerung Panik aus.

Der chilenische Verteidigungsminister Francisco Vidal machte derweil der Marine schwere Vorwürfe dafür, keine Tsunami-Warnung ausgegeben zu haben. Hafenkapitäne hätten jedoch in Eigenregie Vorkehrungen für eine riesige Flutwelle getroffen und damit hunderte, wenn nicht tausende Menschen gerettet, sagte Vidal auf einer Pressekonferenz.

Mehrere Küstengebiete wurden am Samstag von hohen Wellen getroffen, und eine noch unbekannte Anzahl Menschen fiel ihnen zum Opfer. Die Behörden mussten später einräumen, dass es sich in der Tat um Tsunami-Wellen gehandelt habe. Die Marine hat für solche Fälle einen Notfallplan, der es den lokalen Behörden erlaubt, die Bevölkerung auch ohne amtliche Anweisung zu warnen, wie Vidal erklärte: "Dank dieses Systems konnten die Menschen trotz des Diagnosefehlers der Marine alarmiert werden und sich auf Hügel retten." Zwischen dem Beben und den Flutwellen verstrichen nur etwa 30 Minuten.

Nach dem schweren Erdbeben gab die Tsunami-Warnzentrale auf Hawaii einen Alarm für 53 Pazifik-Anrainerstaaten heraus. Allerdings blieben die Auswirkungen dort begrenzt, und es wurden keine weiteren Opfer aus Australien, Tonga, Japan, Russland oder Hawaii gemeldet.

APN / APN