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Autoritäres Regime Weil er den König kritisierte: Saudi-Arabien verurteilt US-Bürger zu 16 Jahren Gefängnis

Saudi-König Salman bin Abdulaziz. Ihn oder die anderen Royals zu kritisieren, kann zu drakonischen Strafen führen.
Saudi-König Salman bin Abdulaziz. Ihn oder die anderen Royals zu kritisieren, kann zu drakonischen Strafen führen.
© Imago Images
In Saudi-Arabien muss ein US-amerikanischer Staatsbürger für 16 Jahre in Haft. Das Regime wirft ihm "Unterstützung von Terrorismus" vor – wegen einiger Tweets.

Sich in Saudi-Arabien kritisch über das Regime von König Salman ibn Abd al-Aziz und des Kronprinzen Mohammed bin Salman zu äußern, kann drastische Folgen haben. Politische Parteien sind verboten, die königliche Familie geht hart gegen ihre Gegner vor. Dass es nicht viel braucht, um ins Visier des autoritären Regimes zu geraten, musste ein 72-jähriger US-Bürger erleben.

Saad Ibrahim Almadi besitzt sowohl die amerikanische als auch die saudi-arabische Staatsbürgerschaft. Im November 2021 wurde er nach Angaben seiner Familie bei einem Besuch in seinem Heimatland am Flughafen festgenommen. Der Vorwurf: Unterstützung von Terrorismus.

Dabei ging es um 14 Tweets, in denen sich Almaid über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg kritisch über die politische Situation in Saudi-Arabien geäußert hatte. Anfang Oktober wurde er deshalb zu 16 Jahren Haft verurteilt, berichtet die "Washington Post". Ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington bestätigte das Urteil.

Saudi-Arabien: 16 Jahre Haft und 16 Jahre Reiseverbot wegen Tweets

Almadi, der in Florida lebt und dort als Projektmanager arbeitet, sei nach seiner Festnahme gefoltert worden, berichtete sein Sohn Ibrahim Almadi der US-Zeitung. Dabei habe sein Vater lediglich "milde Meinungen über die Regierung" gehabt, so der Sohn. Dennoch warf das Regime dem 72-Jährigen vor, das Königreich destabilisieren zu wollen.

Zusätzlich zu der 16-jährigen Haftstrafe wurde auch ein 16 Jahre langes Reiseverbot gegen ihn verhängt. Almadi wäre also 88 Jahre alt, wenn er aus dem Gefängnis käme, und dürfte erst mit 104 Jahren wieder das Land verlassen. In seinen Tweets ging es unter anderem um Korruption im Königreich und die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Kashoggi.

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Auch seine US-amerikanische Staatsbürgerschaft konnte Almadi nicht vor der Verurteilung bewahren. Sein Sohn erhebt Vorwürfe gegen das Außenministerium in Washington: Die Regierung von US-Präsident Joe Biden habe nicht genügend Druck auf Saudi-Arabien ausgeübt, um seinen Vater freizubekommen.

Es habe ein halbes Jahr gedauert, bis Almadi im Gefängnis von einem Vertreter der amerikanischen Botschaft besucht wurde. Der Gefangene habe ein Eingreifen der US-Regierung zunächst abgelehnt, aus Angst vor Folter. Als er bei einem zweiten Besuch dennoch darum bat, wurde er prompt gefoltert.

Nachdem Ibrahim Almadi den Fall seines Vaters bei einem Sonderbüro vorgetragen hatte, sei ihm lediglich mitgeteilt worden, dass die Angelegenheit "bearbeitet" würde. Fortschritte gab es jedoch nicht. Das Regime wiederum habe seine Familie bedroht, sie würde "alles verlieren", sollte sie mit dem Schicksal des Vaters an die Öffentlichkeit gehen, schreibt die "Washington Post". 

Quellen: "Washington Post" / AP

epp

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