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Scheuende Pferde, 44 verletzte Kinder: Versicherungsexperten zum Unglück in Lathen

Für nächtliche Reitausflüge mit Fackeln müssen die Organisatoren nach Ansicht eines Versicherungsexperten besondere Vorkehrungen treffen. Zusätzliche Versicherungen brauche es für spezielle Reitausflüge - wie nachts oder mit Fackeln - allerdings nicht.

Für nächtliche Reitausflüge mit Fackeln müssen die Organisatoren nach Ansicht eines Versicherungsexperten besondere Vorkehrungen treffen. "Grundsätzlich gilt: Je unerfahrener die Teilnehmer, desto höher sind die Anforderungen an die Verkehrssicherungspflichten des Veranstalters", sagte Alois Lattwein von der R+V-Versicherung in Wiesbaden in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Es kann ja auch mal passieren, dass einem Kind eine Fackel aus der Hand fällt."

Zum konkreten Fall im niedersächsischen Lathen, bei dem 44 Kinder durch scheuende Pferde bei einem nächtlichen Fackelausflug verletzt wurden, wollte sich Lattwein aber nicht äußern. Die Organisation und Aufsicht der Kinder müsse immer von Fall zu Fall geklärt werden. Davon hänge auch die Zahl der notwendigen Betreuer ab. "Das ist immer die Frage: Wie erfahren ist der Reitlehrer, wie weit sind die Kinder ausgebildet?", sagte der Abteilungsleiter Haftpflicht. Die R+V- Versicherung zählt nach eigenen Angaben zu den führenden Unternehmen in Deutschland in Sachen Tierversicherung.

Zusätzliche Versicherungen brauche es auch für spezielle Reitausflüge - wie nachts oder mit Fackeln - nicht. Solche Veranstaltungen gehörten zum normalen Risiko eines Reit- und Ausbildungsbetriebs. Nötig sei jedoch eine allgemeine Betriebshaftpflicht inklusive einer Versicherung für Reit- und Schulpferde, sagte Lattwein. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass Eltern ein Papier unterschreiben müssten, das die Reiterhöfe von Schadensersatzforderungen freistellt. Lattwein betonte aber: "Ich kann mich durch so ein Stück Papier nicht vollständig von der Verantwortung freizeichnen."

Sollte sich herausstellen, dass der Reiterhof durch Nachlässigkeiten bei der Betreuung für den Unfall verantwortlich gemacht werden könne, wären trotzdem alle Folgekosten wie Sachschäden und Schmerzensgeld gedeckt. Voraussetzung ist dann allerdings, dass eine entsprechende Versicherung abgeschlossen wurde.

Sabine Geschwinder, DPA / DPA
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